Die Blutabnahme und ihre Fehlerquellen

Wer mich auf meinem Instagram Profil fleißig verfolgt, der wird schon das ein oder andere Mal mitbekommen haben, wie ich über die Blutabnahme berichtet habe. Sei es im Rahmen der Betriebsärztlichen Untersuchung, meiner chronischen Schilddrüsenerkrankung oder meiner Schwangerschaft – in den unterschiedlichsten Arztpraxen durfte ich schon zur Blutabnahme antreten. Dabei habe ich leider meist etwas zu bemängeln gehabt. Tatsächlich habe ich auch das ein oder andere Mal interveniert, um so manch einen Fehler zu vermeiden.

Doch meckern kann ja jeder: Wie führt man denn eine ordnungsmäße Blutabnahme durch, und wann ist sie überhaupt notwendig?

 

 

Die Blutabnahme

Wie zuvor kurz angeschnitten, wird für unterschiedliche diagnostische Verfahren eine Blutprobe benötigt. Dabei werden meist gewisse Standardwerte, beispielsweise die Entzündungswerte oder der Anteil der weißen und roten Blutkörperchen überprüft. Die Untersuchung des Blutes gibt somit Auskunft über Vorliegen/Verlauf einer Erkrankung oder der Schwangerschaft und gibt Hinweise zur Einleitung gewisser therapeutischer Maßnahmen.

In der Regel wird für die Blutabnahme die obere Extremität als Punktionsort gewählt – beispielsweise die Ellenbeuge. Bei Kindern werden meist die Ferse oder der Kopf für die Punktion bevorzugt. Kontraindikationen, die gegen eine Blutentnahme sprechen, bestehen nicht. Es gibt jedoch wichtige Umstände, die beispielsweise bei der Wahl der Punktionsstelle zu berücksichtigen sind.

 

Kontraindikationen der Punktionsstelle

Folgende Faktoren sollten bei der Wahl einer geeigneten Punktionsstelle für die Blutabnahme nicht vorliegen:

  • Hautschädigungen durch Verletzungen, Wunden, Verbrennungen, Verätzungen oder Infektionen
  • Extremität mit Plegie oder Parese
  • Hämatome
  • Bei aktueller Infusionstherapie: die jeweilige Extremität vermeiden
  • Operative Kontraindikationen wie z.B. Gefäßersatz, Shunt (z.B. Cimino-Shunt), axilläre Lymphadenektomie etc. Hier sollte eine andere Extremität für die Punktion bevorzugt werden

 

Materialien für Blutabnahme

Für eine Blutabnahme solltet Ihr Euch die jeweiligen Materialien schon vorab richten – so spart Ihr Euch Zeit bei der Entnahme. Diese Zeitersparnis ist bspw. dann von Vorteil, wenn Ihr einen Angstpatienten behandelt. Die Materialien für die Durchführung könnt Ihr Euch in einer Nierenschale oder auf einem Tablett richten. Vor dem Richten solltet Ihr eine hygienische Händedesinfektion durchführen und das Desinfektionsmittel auch bis zur Trocknung einwirken lassen.

 

  • Handschuhe in der jeweiligen Größe (bevorzuge ich persönlich, aber bei ordnungsgemäßer Händedesinfektion kann man diese auch weglassen)
  • Stauschlauch
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer – besser sind natürlich sterile Tupfer oder Kompressen
  • Punktionsnadel z.B. in Form einer Butterfly-Kanüle oder eines peripheren Venen-Verweilkatheters
  • Blutentnahmeröhrchen
  • Spitzabwurf und Abwurf für andere Verbrauchsmaterialien
  • Pflaster

 

Ablauf einer Blutabnahme

Für die Entnahme der Blutproben kann der Patient sitzen oder liegen. Bei Angstpatienten oder Patienten, die Schwindel und Kreislaufprobleme im Rahmen einer Blutabnahme angeben, sollte die liegende Variante gewählt werden.

Im Idealfall kann der Patient bereits angeben, wie seine Venenverhältnisse aussehen und an welcher Stelle eine Entnahme erfahrungsgemäß besser oder schlechter funktioniert. Die hygienische Händedesinfektion könnt Ihr zwecks Zeitersparnis durchführen, während Ihr den Patienten über das Vorgehen aufklärt. Durch eine kurze Inspektion kann man mögliche geeignete Punktionsorte bereits vor dem Anlegen des Stauschlauchs ausgemachen.

Hat man eine geeignete Vene zum Punktieren gefunden, wird der Stauschlauch ungefähr eine Handbreite oberhalb der Punktionsstelle angelegt. Dabei ist darauf zu achten, dass man die Haut des Patienten beim Anlegen des Stauschlauches nicht einklemmt. Um dies zu verhindern, kann man zwei Finger unter dieses elastische Band legen und so die Haut des Patienten schützen.

 

Die Desinfektion

Die Punktionsstelle wird im Anschluss mit einem entsprechenden Hautantiseptikum desinfiziert. Dies kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden:

a) Aufsprühen, kurz einwirken lassen (ca. 15 Sekunden) und dann mit einem keimarmen Zellstofftupfer wieder abwischen,
b) vorgehen wie bei a) nur, dass man erneut sprüht und das Desinfektionsmittel dann einwirken lässt,
c) mit einem Tupfer, der bereits das Desinfektionsmittel enthält (z.B. vorab drauf gesprüht).

Um den Patienten eine hygienische Sicherheit zu bieten, ist es zu empfehlen, das Desinfektionsmittel unter seiner Sicht aufzutragen, also Variante a) oder b). Während der Einwirkzeit hat man zusätzlich Zeit, sich die Untersuchungshandschuhe anzuziehen. Auch ist das zu empfehlen, um sich selbst vor groben Verunreinigungen, die beispielsweise durch das Blut bei der Entnahme entstehen können, zu schützen.

 

 

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Die Blutabnahme mit einem Butterfly. Hier sieht man auch sehr gut, woher der Name kommt. Denn die Flügelchen, die beim Einführen in die zu punktierende Vene zusammengehalten werden, lassen dieses Punktionsbesteck an einen Schmetterling denken. Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-frau-herz-hand-6629393/

 

 

Die Punktion

Mit einer Hand nimmt man sich das Punktionsbesteck, z.B. die Butterfly-Kanüle, und entfernt die Schutzkappe. Die freie Hand fixiert von proximal (oben) oder lateral (seitlich) die Vene, indem man die Haut und die Vene unter leichtem Druck straffzieht.

In einem flachen Winkel (ca. 20-30°) wird die Kanüle durch die Haut, direkt in die Vene gestochen. Im Gegensatz zur PVK-Anlage, muss die Kanüle nur minimal im Venenlumen liegen. Andernfalls riskiert man ein Durchstechen. Hat man die Vene punktiert, sammelt sich Blut in der jeweiligen Kanüle. Die Stauung sollte jetzt geöffnet werden.

Nun könnt Ihr nach und nach die jeweiligen Blutröhrchen abnehmen. Beim Wechsel des Röhrchens sollte zur Sicherheit die Kanüle festgehalten werden, um ein Herausrutschen aus der Vene zu vermeiden. Damit die Werte nicht verfälscht werden, sollte eine Reihenfolge bei den Röhrchen eingehalten werden. Je nach Hersteller kann diese jedoch variieren, die folgende Auflistung bezieht sich daher auf die Monovetten der Firma Sarstedt.

  1. Blutkulturen
  2. Serum (mit und ohne Zusatz)
  3. Gerinnung
  4. Heparin
  5. EDTA
  6. Glucose

Die zuvor angelegte Stauung hat Einfluss auf die jeweiligen Eigenschaften und Zusammensetzungen des Blutes. Würde man beispielsweise als erstes die Gerinnungsfaktoren abnehmen, so würden diese merklich verfälscht sein.

Die Blutprobenröhrchen müssen nach der Entnahme dreimal geschwenkt werden, damit sich die Bestandteile gut vermischen. Auf den Röhrchen findet man Markierungen, die eine ideale Befüllung angeben. Damit man nicht zu wenig Blut entnimmt, kann man die Kolbenstange einfach bis zum Anschlag ziehen, sodass diese einrastet. Das Röhrchen befüllt sich somit automatisch und stoppt nach ca. 5 Sekunden.

Ist die Blutabnahme beendet, wird die Kanüle vorsichtig herausgezogen. Sobald sich diese nicht mehr in der Punktionsstelle befindet, wird umgehend ein Tupfer zur Kompression der Einstichstelle verwendet.

Meist reicht die vom Patienten ausgeführte Kompression schon aus, um eine kleine Nachblutung zu vermeiden. Zur Sicherheit kann noch ein Pflaster verwendet werden.

 

Vorgehen bei schlechten Venenverhältnissen

Hat der Patient keine guten Venen, gibt es einige Tipps und Tricks, um die Venen herauszukitzeln.

Nach dem Anlegen des Stauschlauchs kann der Patient den Arm etwas hängen lassen und zusätzlich leicht pumpen. Das Sprühen mit Desinfektionsmittel führt ebenfalls dazu, dass die Vene besser sichtbar wird. Man kann auch ganz vorsichtig auf die Vene klopfen. Hierbei muss man jedoch aufpassen, da man die Vene im schlimmsten Fall auch „kaputt klopfen“ kann.

Ist man sich unsicher, ob man eine Vene oder vielleicht eine Sehne tastet, kann man folgende Merkmale im Kopf durchgehen. Eine Vene ist wie eine Art Gummischlauch: beweglich, kann sich etwas dehnen/füllen und ist federnd. Sehnen hingegen lassen sich nicht gut bewegen; sie außerdem deutlich härter. Zudem hat eine Stauung des Blutes keinen Einfluss auf die Sehne.

Rollvenen kann man durch die oben erwähnte Fixierung sichern. Es gibt auch spezielle Staukissen, die man bei Rollvenen verwenden kann.

Brechen wir das Ganze an dieser Stelle ab. Andernfalls wird dieser Beitrag einfach viel zu lang.

 

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Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/glas-transparent-bunt-reihe-4226902/



Fehler, die bei der Blutabnahme unbedingt zu vermeiden sind

Im Folgenden möchte ich Euch die ganzen Fehlerquellen aufzählen; ich habe diese Fehler im Rahmen eine Blutabnahme leider alle schon gesehen. Sie sind unbedingt zu vermeiden. Auch wenn das examinierte Personal den ein oder anderen Punkt aus meiner Auflistung sicherlich routinemäßig immer wieder ausführt, heißt das nicht, dass Ihr das auch so übernehmen müsst. Bekanntlich kann man aus Fehlern lernen.

Falls Du als Patient bei der Blutentnahme einen dieser Fehler feststellen solltest, hast Du das Recht, etwas zu sagen. Denn Du musst immer bedenken: Es ist meine Gesundheit, die durch eine fehlerhafte Durchführung im schlimmsten Fall leidet.

Und glaubt mir: Die weitaus meisten Beschäftigten im medizinischen Sektor freuen sich über mitdenkende Patienten, solange dies nicht in Besserwisserei ausartet. Dass man mal daneben punktiert und vielleicht doch einen Nerv erwischt, kann passieren. Es ist unangenehm, kommt jedoch sogar bei geübten Fachkräften mal vor. Folgende Punkte dürfen jedoch nicht passieren!

  1. Der Patient wurde nicht aufgeklärt (=Körperverletzung).
  2. Weder die Händedesinfektion wird durchgeführt, noch werden Handschuhe verwendet.
  3. Es werden zwar Handschuhe verwendet, aber diese sind nach unterschiedlichen Patienten nicht gewechselt worden. Oder man hat mit diesen Handschuhen mehrere andere Oberflächen angefasst oder etwa den Computer bedient etc.
  4. Die Desinfektion der Punktionsstelle wird ausgelassen.
  5. Die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels wird nicht ansatzweise eingehalten (direkt nach dem Sprühen abgewischt oder feucht punktiert).
  6. Nach der Desinfektion wird wieder auf die Vene getastet und „nachgefühlt“ (die Desinfektion ist somit hinfällig).
  7. Das Desinfektionsmittel wird auf dem Tupfer trocknen gelassen und dann „desinfiziert“.
  8. Mit ein und derselben Nadel mehrfach nachstechen, weil man rausgerutscht ist.
  9. Man lässt zu lange pumpen (führt zu einer Erhöhung der Kaliumwerte).
  10. Es wird zu sehr/stark auf die Venen geklopft.
  11. Die Position während der Blutabnahme wird geändert (z.B. vom Sitzen ins Liegen, was die Werte unter anderem durch einen veränderten Druck in den Kapillaren verfälscht).
  12. Die Stauung wird zu fest und zu lange gelassen (verfälscht die Werte aufgrund einer Hämolyse).
  13. Bei einer Abnahme von mehreren Blutproben wird nicht die richtige Reihenfolge eingehalten.
  14. Die Röhrchen werden nicht ausreichend mit Blut gefüllt.
  15. Die Monovetten werden wie ein Cocktail geschüttelt (kann die Blutbestandteile zerstören).
  16. Es wird beim Entfernen der Kanüle zu früh mit dem Tupfer auf die Punktionsstelle gedrückt (Verletzung der Umgebung der Punktionsstelle).

 

Ich hoffe ich konnte Euch mit diesem Beitrag etwas aufklären, sodass die nächste Blutabnahme ein voller Erfolg wird.

 

Eure franzi 🙂

 

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Quellen:

https://medfak.uni-koeln.de/sites/MedFakDekanat/Downloads/veno__se_Blutentnahme_Okt2009.pdf

https://dafxbb5uxjcds.cloudfront.net/fileadmin/user_upload/99_Broschueren/NEU/220/10-220-0100-104_Haha_D-EU_1018.pdf

https://labor.umg.eu/fileadmin/Redaktion/id2447_UMG-Labor/id2462_Service/Hinweise_Praeanalytik.pdf

https://www.kgu.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-der-inneren-medizin/zentrallabor/einsenderinfos/praeanalytische-hinweise/blutentnahme

Jeweils zuletzt aufgerufen am 03.01.2022 um 22:10 Uhr.

 

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