Staatliche Anerkennung OTA und ATA

Die Staatliche Anerkennung für OTAs und ATAs ist endlich da! Was für wahnsinnig tolle Neuigkeiten, findet Ihr nicht auch?

Es war ein sehr langer Weg, doch nun nach ca. 30 Jahren in denen es den Beruf Operationstechnische/r Assistent/in und Anästhesietechnische/r Assistent/in gibt, sind beide Berufe seit dem Beginn dieses Jahres, also dem 01.01.2022 staatlich anerkannt. Alle die vor diesem Datum die Ausbildung begonnen oder bereits erfolgreich absolviert haben, müssen die staatliche Anerkennung nachträglich beantragen.

Dies gilt aber nur für Absolventen, die nach den Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ausgebildet wurden. Diejenigen, auf die das leider nicht zutrifft, müssen sehr wahrscheinlich in eine Nachprüfung gehen um die staatliche Anerkennung zu erlangen.

Wer nach dem 01.01.2022 die Ausbildung zur OTA oder ATA beginnt, der schließt die Ausbildung automatisch als staatlich anerkannte/r Operationstechnische/r oder Anästhesietechnische/r Assistent ab.

Alles was Du zur staatlichen Anerkennung wissen musst, erkläre ich Dir jetzt hier in diesem Beitrag.

 

Was bringt mir die staatliche Anerkennung als OTA oder ATA?


Tatsächlich dürfen Jugendliche unter 18 Jahren offiziell nur staatlich anerkannte Ausbildungen absolvieren. Daher wäre es jetzt auch möglich bereits unter dem gefordertem Alter die Ausbildungen zu beginnen. Auch galt man bisher als ungelernt, wenn die Ausbildung vom Staat nicht als anerkannt gilt.

Wer staatliche Hilfen, wie beispielsweise Bafög oder ähnliche Sozialleistungen beantragen möchte, braucht ebenfalls die staatliche Anerkennung.

Ein weiterer Pluspunkt ist aber auch die Zulassung zu Umschulungen, Weiterbildungen oder auch Hochschulen.

 

Was ändert sich durch die staatliche Anerkennung?

 

Bisher konnten die medizinischen Berufsschulen die Ausbildung individuell gestalten. Ein Großteil hat sich jedoch an die Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gehalten, wodurch die Inhalte realtiv ähnlich gehalten wurden.

Vereinfacht gesagt wird die Ausbildung nun wie ein zentrales Abitur, wonach die Auszubildenden die gleiche Stundenanzahl und Inhalte vermittelt bekommen sollen. Auch die Prüfungen werden nach einem ähnlichen Schema verlaufen.

Bis vor kurzem gab es nicht nur den Beruf Operationstechnische Assistenz, sondern auch Operationstechnische/r Angestellte/r. Durch die staatliche Anerkennung ist die Ausbildung des zuletzt genannten Berufes eingestellt worden, damit es eine einheitliche Bezeichnung für den Beruf gibt. Operationstechnische Angestellte wurden in Schleswig-Holstein bereits staatlich anerkannt ausgebildet. Es gibt auch noch die MTA-O, also Medizinisch-technische Assistenten im Operationsdienst. Wie es mit diesem Ausbildungsberuf nach der staatlichen Anerkennung aussieht habe ich bisher leider noch nichts finden können.

Des Weiteren wurde die Zeit der Praxisanleitung auf mindestens 15% der Dauer des gegenwärtigen Praxiseinsatzes des Auszubildenden gesetzt. Bis 2028 gibt es jedoch noch die Regelung, dass es auch weniger als 15%, aber wenigstens 10% sein müssen. Wie die Umsetzung von Theorie und Praxis wirklich stattfindet bleibt spannend. Aber zumindest ist auch hier ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung vorgenommen worden.

Bisher durften auch Berufsschulen Operationstechnische und Anästhesietechnische Assistenten ausbilden, die weder staatlich anerkannt, noch staatlich genehmigt oder generell staatlich waren. Dies ist mit dem neuen Gesetzt ebenfalls nicht mehr möglich.

 

Ausbildungsinhalte

Die Stundenzahl für Theorie und Praxis hat sich durch das neue Gesetz ebenfalls verändert. So hatte man früher ca. 1600 Stunden in der Theorie und mindestens 3000 Stunden in der Praxis. Seit neustem sind mindestens 2100 Stunden theoretischen Unterricht zu absolvieren und nur noch ca. 2500 Stunden in der Praxis. Dies gilt sowohl für die Ausbildung von OTAs, als auch ATAs.

Bisher konnten Bereitschaftsdienste oder Nachtarbeit im OP auf freiwilliger Basis erfolgen. Mit dem neuen Gesetz sind ab dem zweiten Ausbildungsjahr mindestens 80, höchstens 120 Stunden im Dienst zu absolvieren. Natürlich in Begleitung vom examinierten Personal und als zusätzliche Person. Wer jedoch unter das Jugendschutzgesetz fällt, also unter 18 ist, für den entfällt diese Vorschrift. Gegebenenfalls muss dieser für den Zeitraum, in dem der Auszubildende volljährig ist, die Stunden anteilig absolvieren.

 

Mein Zeugnis von 2013. ota-franzi.de
Mein Zeugnis von 2013. ota-franzi.de

 


Abschlussprüfung

Die staatliche Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. Die schriftliche Prüfung setzt sich aus drei Klausuren zusammen:

  • Berufsbezogene Aufgaben im ambulanten und stationären Bereich eigenverantwortlich planen und strukturiert ausführen
  • Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken und ärztliche Anordnungen eigenständig durchführen
  • Das eigene Handeln an rechtlichen Vorgaben und Qualitätskriterien ausrichten, sowie Hygienische Arbeitsweisen umfassend beherrschen und beachten

Je Klausur hat man 120 Minuten und sie finden an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt.

 

In der mündlichen Prüfung können die Auszubildenden einzeln oder zu zweit geprüft werden. Die Inhalte sind folgende:

  • „Interdisziplinäres und interprofessionelles Handeln verantwortlich mitgestalten
  • Verantwortung für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit übernehmen (lebenslanges Lernen),
    berufliches Selbstverständnis entwickeln und berufliches Selbstverständnis bewältigen
  • Mit Patientinnen und Patienten aller Altersstufen und deren Bezugspersonen unter Berücksichtigung soziologischer, psychologischer, kognitiver, kultureller und ethischer Aspekte kommunizieren und interagieren

Für die mündliche Prüfung stehen einem 30-45 Minuten zu, zuzüglich einer Vorbereitungszeit.

 

In der praktischen Prüfungen müssen Anästhesietechnische Assistenten eine Narkose vorbereiten, einleiten, intraoperativ betreuen und auch nachbereiten. Bei der Operationstechnischnischen Assistenz steht das Instrumentieren im Fokus. Sie müssen den Eingriff allerdings auch vor- und nachbereiten.

Vor der eigentlichen praktischen Prüfung müssen beide Ausbildungsberufe jedoch eine schriftliche Ausabreitung zur geplanten Narkose und Operation unter Aufsicht erstellen, sowie den jeweiligen Fall vorstellen. Nach der eigentlichen praktischen Prüfung findet auch noch ein Reflexionsgespräch mit den Prüfern statt.

Für die Ausarbeitung stehen einem 90 Minuten zur Verfügung. Die Vorstellung des Falls, sowie das Reflexionsgespräch dürfen maximal 20 Minuten in Anspruch nehmen. Allerdings ist das Reflexionsgespräch in die praktische Prüfungsdauer von mindestens fünf, höchstens sechs Stunden bereits mit einkalkuliert.

 

Abschlussnote

Die schriftliche Abschlussnote setzt sich zu jeweils 25% aus den drei schriftlichen Abschlussklausuren zusammen, sowie zu 25% aus den vorherigen schriftlichen Leistungen.

Zu 75% setzt sich die mündliche Abschlussnote aus der Abschlussprüfung zusammen, sowie zu 25% aus den vorherigen mündlichen Leistungen.

Die praktische Abschlussnote setzt sich wie die zuvor erwähnte mündliche Note zusammen: 75% aus der praktischen Abschlussprüfung, sowie 25% der Note aus den bereits erbrachten praktischen Prüfungen.

Die Gesamtabschlussnote setzt sich demnach aus den drei Benotungen der Abschlussprüfungskomponenten zusammen.

 

Ärztliches Attest OTA ATA. ota-franzi.de
Beispiel aus Rheinland-Pfalz eines ärztlichen Attests für OTA und ATA. ota-franzi.de

 


Die staatliche Anerkennung nachträglich beantragen – so gehts!

 

Um die staatliche Anerkennung nachträglich zu beantragen, musst Du das Regierungspräsidium oder das Landesamt für Gesundheit und Soziales in dem Bundesland, in dem Du derzeit tätig bist, kontaktieren.

Das bedeutet konkret: Wenn Du beispielsweise in Sachsen-Anhalt die Ausbildung absolviert hast, jetzt aber in Bayern arbeitest, musst Du die staatliche Anerkennung beim Regierungspräsidium oder dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Bayern beantragen.

Derzeit haben sich noch nicht alle Bundesländer geeinigt, ob das Landesamt oder das Regierungspräsidium zuständig sind. Daher hilft es nur beide zu kontaktieren.

 

Folgende Unterlagen werden meist benötigt:

  • Beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses
  • Beglaubigte Beschneinigung der DKG über die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung
  • Ärztliches Attest über die berufliche Eignung
  • Polizeiliches Führungszeugnis (meist Belegart “O”)
  • ggf. Bescheinigung des Arbeitsgebers über die Tätigkeit
  • ggf. schriftliche Erklärung über den Ausschluss eines derzeit laufenden Ermittlungsverfahrens oder strafrechtliche Verfolgung
  • ggf. Kopie des Personalausweises oder Reisepasses

Die Unterlagen, wie beispielsweise das ärztliche Attest oder das Führungszeugnis dürfen meist nicht älter als 3 Monate sein.

Kostenlos ist der Antrag für die staatliche Anerkennung leider nicht. Neben den Gebühren für die Unterlagen, wird noch eine Bearbeitungsgebühr von der jeweiligen Behörde erhoben. Diese belaufen sich meist auf 40€-80€.

 

Bisher bekannte Behörden zur Beantragung der staatlichen Anerkennung für OTA und ATA

 

Baden-Wüttemberg

Folgende Regierungspräsidien sind hier zuständig:

  • Regierungspräsidium Freiburg
  • Regierungspräsidium Karlsruhe
  • Regierungspräsidium Stuttgart
  • Regierungspräsidium Tübingen

Hier soll es landeseinheitlich derzeit eine Bearbeitungsgebühr von 50€ geben. Die benötigten Unterlagen sind wie folgt:

  • Beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses
  • Ärztliches Attest über die berufliche Eignung
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • schriftliche Erklärung über den Ausschluss eines derzeit laufenden Ermittlungsverfahrens oder strafrechtliche Verfolgung

 


Hessen

Hier ist das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig. Den Antrag könnt Ihr über folgenden Link einsehen und herunterladen:

https://rp-darmstadt.hessen.de/sicherheit/gesundheitsfachberufe/an%C3%A4sthesietechnische-assistentinnen-ata-und-operationstechnische

Die Bearbeitungsgebühren liegen hier bei 80€ und folgende Unterlagen werden benötigt:

  • Beglaubigte Kopie der Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichung OTA oder ATA
  • Ärztliches Attest
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • schriftliche Zuverlässigkeitserklärung

 


Berlin

In Berlin ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales zuständig für den Antrag zur staatlichen Anerkennung. Die Kosten betragen hier ebenfalls 80€ und diese Unterlagen werden benötigt:

  • Beglaubigtes Zeugnis
  • Ärztliches Attest
  • Polizeiliches Führungszeugnis Belegart “O”
  • Erklärung über Ermittlungsverfahren

Über folgenden Link könnt Ihr den Antrag downloaden und auch die benötigten Unterlagen einsehen:

https://l.instagram.com/?u=https%3A%2F%2Fwww.berlin.de%2Flageso%2F_assets%2Fgesundheit%2Fberufe-im-gesundheitswesen%2Fnicht-akademisch%2Fantrag-berufsbezeichnung_inland.pdf&e=ATNiuDKZ0vSuAgEN3hEt-FSRj-2VmwAuO7qEiHrCkKJMqndmDkk90pexHJ8FhpOKL1o7_SOVsOHelsYPGM16RFLIhl8TNfZ9-Qzxpw&s=1

 


Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es einen Antrag, den Ihr auf Nachfrage vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung bekommt. Benötigte Unterlagen sind hier:

  • Beglaubigtes Zeugnis
  • Ärztliches Attest, wofür es einen extra Vordruck gibt
  • Polizeiliches Führungszeugnis Belegart “O”

Die Kosten betragen hier 44€. Wer Interesse an dem Antrag hat, der kann mich sehr gerne kontaktieren.

 

Regierung der Oberpfalz

Hier habe ich einen Antrag vorliegen, der unter anderem für Regensburg gilt. Die Bearbeitungsgebühren liegen hier derzeit bei 80€. Hier benötigt Ihr neben den Antrag folgende Unterlagen:

  • Nachweis des Arbeitsplatz im Regierungsbezirk oder Meldebescheinigung vom Einwohnermeldeamt
  • Kopie Personalausweis oder Reisepass
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Ärztliches Attest (Vordruck)
  • Berechtigung zum Führen der Berufsbezeichnung OTA oder ATA

Wer den Antrag benötigt, der kann mich sehr gerne diesbezüglich kontaktieren. 

 

Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat Informationen zur staatlichen Anerkennung auf der Seite des Landesverwaltungsamt veröffentlicht. Hier findet Ihr neben dem Antrag auch die benötigten Unterlagen:

  • Beglaubigte Kopie des Zeugnisses
  • Ärztliche Attest
  • Führungszeugnis Belegart “O”
  • Kopie Personalausweis oder Reisepass

Die Bearbeitungsgebühren betragen hier derzeit 65€.

https://lvwa.sachsen-anhalt.de/das-lvwa/landespruefungsamt-fuer-gesundheitsberufe/fuehrung-von-berufsbezeichnungen/

 

Mittelfranken

Hier gibt es offensichtlich noch kein offizielles Antragsformular. Die benötigten Unterlagen sollen einfach an die Zuständige Behörde gesendet werden:
Folgendes wird benötigt:

  • Beglaubigtes Zeugnis mit Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung nach DKG
  • Ärztliches Attest
  • Polizeiliches Führungszeugnis Belegart “O”
  • Erklärung über den Ausschluss einer Teilnahme an einem Ermittlungsverfahren oder einer strafrechtlichen Verfolgung

Hier ist die Bearbeitungsgebühr mit 40€ derzeit am günstigsten.

 

Falls Ihr noch weitere Informationen habt, dann schreibt sie doch gerne hier in die Kommentare oder unter meinem Sammelpost:

https://www.instagram.com/p/CZZ_8K7M4-V/?utm_source=ig_web_copy_link

 

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

Eure franzi 🙂

 

Quellen:

Letzter Zugriff jeweils am 19.02.2022 um 22:16h

https://ata-ota.org/wp-content/uploads/2020/05/01-ATA-OTA-Gesetz.pdf

https://ata-ota.org/wp-content/uploads/2021/03/APrV_ATA-OTA-Gesetz_2020.pdf

https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/archiv/33366.pdf

https://books.google.de/books?id=sPsfBAAAQBAJ&pg=PA214&lpg=PA214&dq=Nicht+anerkannte+Berufe+Liste&source=bl&ots=rm4KWEkZ6N&sig=ACfU3U2vzdXMay-yDOm1SxHC9Z6VsxDdTQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiS-pz32P31AhVkR_EDHfauCF04FBDoAXoECCgQAw#v=onepage&q&f=false

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