Studium Physician Assistant – die Alternative zum Medizinstudium?

Wer meinen ersten Beitrag zur Operationstechnischen Assistenz gelesen hat, der findet dort auch das Studium mit dem Abschluss “Bachelor of Science Physician Assistant” als Weiterbildung aufgelistet. Für viele ist dieser Studiengang eine echte Alternative zum Medizinstudium, doch allzu viele Informationen hierzu gibt es leider noch nicht. Daher habe ich mir durch die liebe Mona Unterstützung geholt und kann euch so einen fundierten Beitrag liefern.

 

Kurze, knackige Fakten zum Physician Assistant Studium

Ursprung dieses Studiengangs sind die USA, Großbritannien und die Niederlande. Bei uns in Deutschland kann man mittlerweile an folgenden Standorten Physician Assistant studieren: Idstein, Frankfurt, München, Hamburg, Köln, Karlsruhe, Düsseldorf, Leverkusen, Heidelberg, Gera, Köthen, Rheine und Rostock. Dabei kann das Studium sowohl berufsbegleitend stattfinden, somit als Teilzeit oder als Vollzeitstudium. Hat man eine abgeschlossene Ausbildung und eine Berufserfahrung von 6-8 Semestern, das entspricht 3-4 Jahren, so kann man auch ohne Abitur studieren.

Derzeit wird der Studiengang Physician Assistant ausschließlich an privaten Universitäten angeboten, was auch einige Kosten mit sich bringt. Des weiteren ist nur in Düsseldorf der Master möglich, an allen anderen Standorten kann man lediglich mit dem Bachelor abschließen.

Update: Wie mir einige als Antwort auf diesen Beitrag bei Instagram geschrieben haben, so gibt es scheinbar doch einen Ort an dem das Studium nicht privatisiert ist. Das PA Studium kann an der Berufsakademie Sachsen, Standort Plauen, absolviert werden. Es handelt sich hierbei um ein duales Studium, wofür man keine Studiengebühren zahlen muss, da es sich um eine staatliche Hochschule handelt.

Es gibt also die Hoffnung, dass sich die Verstaatlichung mit der Zeit ausbreiten wird.

 

Das Studium umfasst Themen wie Anatomie, Chirurgie, Innere Medizin, Notfallmedizin und Physiologie, aber auch Bereiche wie die Medizinische Dokumentation, Public Health, Pharmakologie, Medizintechnik und Kommunikation.

Im späteren Berufsleben übt man als Physician Assistant (PA) folgende Tätigkeiten aus: Erhebung der Anamnese,  Durchführung von Patientengesprächen und körperlichen Untersuchungen, vorbereitende Befundungen – somit ist auch ein Diagnosevorschlag möglich. Des weiteren führen PAs Dokumentationen durch, sind in der OP-Assistenz tätig, überwachen die Therapie, berücksichtigen die Konsiliardiagnostik und sind an der Mitgestaltung eines Behandlungsplans beteiligt.

Als Physician Assistant kann man auch kleinere Eingriffe auf Anordnung des Arztes durchführen – das ist für einige sicherlich ein sehr interessanter Punkt. Doch auch administrative Aufgaben, medizinische Dokumentationen, Schnittstellenkommunikation, Unterstützung bei der Patientenberatung und -aufklärung gehören zu den Tätigkeiten von PAs.

Einsatzgebiet sind in der Regel Kliniken/ Krankenhäuser. In medizinischen Versorgungszentren, kurz MVZ, und Praxen kann man als Physician Assistant ebenfalls arbeiten. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt liegt erfahrungsgemäß zwischen 30.000 und 50.000 Euro, je nach Erfahrung, Arbeitgeber und sonstigen Zulagen.

 

Wie bist Du zum Physician Assistant Studium gekommen Mona?

Hallo, ich heiße Mona und studiere im 3. Semester Physician Assistant. “Physician Assistant? Ist das ein Beruf?”, werden sich jetzt einige Fragen. Der PA oder Arztassistent ist ein relativ neuer Studiengang in Deutschland. Seinen Ursprung hat er, wie wir eben schon gelesen haben, im englischsprachigen Raum. In den USA, in Großbritannien, aber auch in den Niederlanden ist er ein weit verbreitetes Berufsbild.

Ich möchte im folgenden Beitrag meine Begeisterung für diesen Studiengang mit Euch teilen, Mythen aufklären – vielleicht entscheidet sich ja der ein oder andere auch mal für ein PA-Studium.

Kurz zu mir: Ich bin 22 Jahre alt und habe erst mein Abitur und anschließend eine Ausbildung zur MFA (medizinischen Fachnagestellten) gemacht. Ich wusste, dass ich immer irgendetwas mit Gesundheit und Medizin studieren wollte. Da ein Studienplatz in Medizin mit meinem lediglich durchschnittlichen Abitur in sehr weite Ferne gerückt war, habe ich angefangen, mich nach einer Alternative umzusehen. Schon während der Ausbildung habe ich viel recherchiert, welche Möglichkeiten es gibt, aber nie das Richtige gefunden.

Wie es dann oft so ist, bin ich zufällig auf den Physician Assistant gestoßen. Ich habe viel darüber gelesen und war, wie viele andere auch, zunächst sehr skeptisch. Der Beruf ist noch so gut wie unbekannt. Leider gibt es das Studium, zum jetzigen Stand (09/2020), nur an privaten Universitäten, was wiederum hohe Studiengebühren bedeutet.

Nach einem Vorstellungsgespräch vor Ort und nachdem die finanziellen Aspekte geklärt waren, habe ich mich schließlich doch für diesen Studiengang entschieden.

 

https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-person-hande-professionell-3985168/
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-person-hande-professionell-3985168/

 

Wo kann man PA studieren? 

Wie bereits erwähnt, nur an privaten Universitäten beziehungsweise Hochschulen. Hier gibt es verschiedene Verbände. Ich studiere beispielweise an der Carl Remigius Medical School Frankfurt, die zu Fresenius gehört.

Allerdings wird der Studiengang noch in vielen weiteren Städten angeboten. Hier eine kleine Auswahl: Idstein, Frankfurt, München, Hamburg, Köln, Karlsruhe, Düsseldorf, Leverkusen, Heidelberg, Gera, Köthen, Rheine und Rostock.

Auch hier noch mal der Vollständigkeit halber das oben erwähnte Update: Wie mir einige als Antwort auf diesen Beitrag bei Instagram geschrieben haben, so gibt es scheinbar doch einen Ort an dem das Studium nicht privatisiert ist. Das PA Studium kann an der Berufsakademie Sachsen, Standort Plauen, absolviert werden. Es handelt sich hierbei um ein duales Studium, wofür man keine Studiengebühren zahlen muss, da es sich um eine staatliche Hochschule handelt.

Es gibt also die Hoffnung, dass sich die Verstaatlichung mit der Zeit ausbreiten wird.

 

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Grundsätzlich wird der Studiengang in zwei Formen angeboten: in einem Vollzeitstudium, das vier Jahre dauert oder alternativ in einer berufsbegleitenden Form. Diese dauert lediglich 3 Jahre.

Achtung! Ich kann hier nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten! Beim Vollzeitstudium benötigt man die Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur/Fachabitur oder einen Meister.

Beim berufsbegleitenden Studium muss man eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf nachweisen und entweder das Abitur/Fachabitur, einen Meister oder eine gewisse Berufserfahrung vorlegen können. Das heißt wiederum, man benötigt keinen NC und bekommt auch ohne Abitur einen Studienplatz.

Bei beiden Formen muss vorab eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und eine Prüfung abgelegt werden. Diese Äquivalenzprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Besteht man diese Prüfung, erhält man im berufsbegleitenden Studium eine gewisse Anzahl an Credit Points gutgeschrieben. Es wird einem also ein Teil seiner Ausbildung angerechnet.

 

Unialltag im Physician Assistant Studium

Hier bespreche ich auch wieder vorwiegend über den berufsbegleitenden Studiengang, da der Vollzeitstudiengang schlichtweg täglich Uni-Präsenz bedeutet.

Bei uns ist es so, dass wir lediglich einmal in der Woche in die Uni müssen. Das klingt vielleicht wenig, ist aber neben einem Job manchmal nicht einfach. Generell ist man mit seiner Organisation sehr frei, muss sich aber auch gleichzeitig um alles selbst kümmern. So ist von der Uni vorgesehen, dass man neben dem Studium auch noch auf einer Halbtagsstelle tätig ist. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Annahme durchaus realistisch ist. Es gibt auch Kommilitonen, die mehr Stunden in der Woche machen. Dass muss aber jeder für sich selbst wissen.

 

Welche Inhalte werden vermittelt?

Der PA ist an das Medizinstudium angelehnt. Das heißt, auch wir haben Fächer wie Anatomie, Physiologie, Innere Chirurgie etc. In den höheren Semestern wird es dann etwas theoretischer mit Public Health und medizinischer Dokumentation und Ethik. Natürlich werden die Themen nicht so intensiv behandelt, aber man bekommt einen mehr als guten Überblick.

Besonders beliebt sind die jeweiligen praktischen Kurse, die in jedem Semester angeboten werden. Im ersten Semester lernt man beispielsweise, wie man einen Patienten körperlich untersucht und bekommt sogar Einblicke in die Sonografie. Im zweiten Semester gibt es einen EKG-Kurs und im dritten einen Naht-Kurs. Es wird also nicht nur Theorie, sondern auch Praxis vermittelt.

 

https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-menschen-frau-hand-4226139/
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-menschen-frau-hand-4226139/

 

Welche weiteren Besonderheiten gibt es?

Der praktische Anteil kann direkt im jeweiligen Fachpraktikum umgesetzt werden. In jedem Semester muss ein mehrwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus oder einer medizinischen Einrichtung absolviert werden. Jedes Praktikum zählt als Studienleistung, das heißt es müssen bestimmte Tätigkeiten durchgeführt und geübt werden.

Das erste Praktikum hat beispielsweise den Fokus “körperliche Untersuchung und Anamnese”. Hier durfte ich selbstständig Anamnesen bei Patienten erstellen und diese untersuchen, anschließen wurde alles mit dem Arzt besprochen und korrigiert und dokumentiert.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Das kommt vor allem auf die Fachrichtung an. Grundsätzlich gehört man als Physician Assistant zum ärztlichen Team. Das Berufsbild ist eine Schnittstelle zwischen Arzt und Pflegekraft. Man unterstützt den Arzt in all seinen Tätigkeiten, das beginnt bei der Anamnese geht über den Befund, die Dokumentation, Assistenz bei Operationen und endet bei Diagnosevorschlägen.

Falls mal kein Arzt auf Station sein sollte, ist der Physician Assistant der erste Ansprechpartner für Pflegekräfte. Natürlich darf er keine Entscheidung alleine treffen, sondern muss bei allem, was den Patienten gefährden könnte, mit dem zuständigen Arzt Rücksprache halten.

Der Physician Assistant ist allerdings nicht nur für die Klinik geeignet, sondern kann beispielsweise auch in Arztpraxen tätig sein. Hier ist besonders die jeweilig zuvor absolvierte Ausbildung entscheidend. Ein PA mit vorheriger Ausbildung zum Physiotherapeuten ist besonders für Unfallchirurgie und Orthopädie qualifiziert.

Wie viel ein Physischen Assistent verdient, ist schwierig zu sagen. Dies hängt besonders von seiner Berufserfahrung und der jeweiligen Fachrichtung ab. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass ein Physician Assitant zwischen 30.000 und 50.000 Euro brutto als jährliches Einkommen verzeichnen kann.

Ich möchte an diese Stelle noch einmal darauf aufmerksam machen, dass der Physician Assistant den Arzt weder ersetzen soll, noch darf. Das Berufsbild ist dafür gedacht, die täglichen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu meistern. Ähnliches gilt für die Pflegekräfte. Leider habe ich es selbst schon erlebt, dass der PA als eine Art Bedrohung angesehen wird.

Ich bin davon überzeugt, dass der PA für unser Gesundheitssystem eine Chance darstellt und mit diesem Berufsbild eine Verbesserung in der gesundheitlichen Versorgung erzielt werden kann. Natürlich gibt es trotz allem immer noch viel Handlungsbedarf seitens der Politik.

Ich möchte mich dennoch stark machen, für mehr Offenheit und Solidarität gegenüber dem Physician Assistant. Mit diesem Beitrag hoffe ich etwas Licht ins Dunkel bringen zu können.

 

Liebe Grüße

Eure Mona

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Ich, Patricia Bellasie (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
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