Ausbildung zur OTA – Hochfrequenzchirurgie

Nachdem wir im letzten Beitrag dieser Reihe die unterschiedlichen Lagerungen im OP besprochen haben, kommt heute wieder ein spezieller Post zu den Grundlagen der Operationstechnischen Assistenz – Thema Hochfrequenzchirurgie. Was bedeutet dies, was ist zu beachten? Mehr erfahrt Ihr im weiteren Verlauf:


Hochfrequenzchirurgie

Bei der Hochfrequenzchirurgie, abgekürzt als HF-Chirurgie, handelt es sich um eine besondere Form der Elektrochirurgie. Mithilfe von elektrischer Energie können hierbei Blutungen unterbunden, Gewebe durchtrennt und/ oder gleichzeitig versiegelt werden. Hierbei wird hochfrequenter Wechselstrom über spezielle Instrumente in das jeweilige Gewebe geleitet, wodurch es zu einer thermischen Wechselwirkung zwischen Gewebe und Instrument kommt. Diese entsteht aufgrund des unterschiedlichen elektrischen Widerstandes des Gewebes.

Koagulation

Unter der Koagulation versteht man in der Chirurgie das Stillen bzw. Stoppen einer Blutung durch den Einsatz von elektrischer Energie. Hierbei werden Gewebezellen thermisch verändert oder zerstört mit dem Ziel der Hämostase bzw. der Bluststillung. Bei kleineren Gefäßen ersetzt die Koagulation aufwendige Verfahren wie Ligaturen oder aber den teuren Fibrinkleber. Sie ist also eine deutliche Arbeitserleichterung und günstige Alternative.

Verwendung von monopolarer Hochfrequenzchirurgie

Der Begriff Monopolar bedeutet, dass man nur einen Pol hat, aus dem die elektrische Energie in das jeweilige Gewebe gleitet wird, hat. Damit diese jedoch wieder aus dem Körper hinausgeleitet werden kann, wird eine sogenannte Neutralelektrode an der Körperoberfläche angebracht. So wird der Hochfrequenzstrom von dem Instrument in das Gewebe geleitet und über die “Neutrale” wieder aus dem Körper abgeleitet.

Schematisch dargestellte Monopolare Technik
Die monopolare Technik schematisch dargestellt. https://elib.dlr.de/73687/1/572-11-10_BA_FranzBauer.pdf

Dadurch, dass der Strom durch den ganzen Körper bis zur jeweiligen ableitenden Elektrode fließt, ist es wichtig vorab zu klären, ob der Patient bestimmte Implantate hat oder aber noch Schmuck trägt. Denn auch außerhalb der Medizin weiß man schließlich, dass elektrischer Strom und Metall keine guten Verbindungen darstellen. Deshalb darf man die monopolare Hochfrequenzchirurgie nicht bei Patienten mit einem Herzschrittmacher oder Defibrillator verwenden. Der elektrische Strom führt sonst unter Umständen zu einer Veränderung der jeweiligen Einstellungen oder gar thermischen Reaktion. Eine mögliche Fehlschaltung wäre die Folge, was für den Patienten gravierende Schäden erzeugt.

Damit es trotz nicht vorhanden seins solcher Implantate und Schmuck nicht zu Verbrennungen kommt, ist darauf zu achten, dass der Patient stets auf einer trockenen Unterlage liegt und vor Nässe geschützt ist.

Wofür wird Monopolar verwendet?

In der Chirurgie wird das monopolare Handstück verwendet um Gewebe zu “schneiden”. Dies ist unter anderem der Fall beispielsweise bei einer Hüft-OP.

Der Hautschnitt erfolgt hierbei selbstverständlich mit dem Skalpell. Die anschließenden Schichten werden meistens jedoch mit dem monopolaren Messer durchtrennt. So kann das jeweilige Gewebe zugleich auch verödet werden. Hat man jedoch ein Gefäß verletzt, muss dieses extra koaguliert werden. Entweder mit der bipolaren Pinzette oder aber durch die Leitung des bipolaren Stroms über die Pinzette zum jeweiligen Gewebe.

Was gibt es bei der Neutralelektrode zu beachten?

Die ableitende Neutralelektrode muss mit dem jeweiligen Gerät kompatibel sein. Nicht jede Elektrode ist für jedes Gerät geeignet. Zudem gibt es auch bestimmte Elektroden für Neugeborene, Kinder, Erwachsene und sogenannte Universalelektroden für Kinder und Erwachsene. Neutralelektroden sind in der Regel Einmalprodukte – ich habe zumindest noch keine wiederverwendbare gesehen, geschweige denn davon gehört.

Applikation:

Das Anbringen der Neutralelektrode erfolgt so nah wie möglich am OP-Gebiet. So wird sie beispielsweise am linken Oberschenkel appliziert, wenn eine OP am linken Fuß stattfindet. Bevorzugt an den Extremitäten, also Armen und Beinen. Keinesfalls sollte das Herz im Stromfluss Gebiet liegen!

Die Neutralelektrode ist auf einer glatten Oberfläche, beispielsweise am Oberschenkel zu platzieren. Diesen sollte man von starkem Haarwuchs befreien, er darf aber auch nicht “ausgetrocknet”, sowie nicht feucht sein. Hautschüppchen, wie sie häufig bei älteren Personen auftreten, führen meist dazu, dass die Neutrale nicht richtig klebt und man somit nicht ungehindert mit dem monopolaren Kauter arbeiten kann.

Ebenfalls ist eine Platzierung der Neutralelektrode auf Narben und Knochenvorsprüngen zu vermeiden. Sie sollte plan, sprich faltenfrei und ohne Luftblasen, auf dem jeweiligen Gebiet aufliegen. Achtet ebenfalls darauf, dass die Elektrode nicht zu Druckstellen führen kann. Dies wäre beispielsweise durch das eigene Körpergewicht des Patienten, wenn die Neutrale auf dem Rücken klebt und der Patient eben auch auf dem Rücken liegt, möglich.

Verwendung von bipolarer Hochfrequenzchirurgie

Bei der Verwendung von Bipolar gibt es nicht so viel zu beachten wie bei der monopolaren Verwendung. Hierbei gibt es eine elektrische Wechelwirkung zwischen zwei Polen am jeweiligen Instrument. In der Regel handelt es sich hierbei um eine Pinzette. Die Wechelwirkung entsteht jedoch nur, wenn sich ein Gewebe zwischen den beiden Pinzettenspitzen befindet. Da der Strom direkt zwischen diesen beiden Polen hin und her fließen kann entfällt hierbei die Neutralelektrode. Daher darf man diese Instrumente auch bei Patienten mit Schrittmachern, Implanteten oder Schmuck, der beipielsweise nicht auszuziehen geht, verwenden.

Die bipolare HF-Chirurgie schematisch dargestellt.
Die bipolare Hochfrequenzchirurgie schematisch dargestellt. https://elib.dlr.de/73687/1/572-11-10_BA_FranzBauer.pdf Stand 28.12.2018

Mithilfe dieser Instrumente kann man kleinere Gefäßblutungen stillen, weshalb sie beispielsweise in der Neurochirurgie von großer Bedeutung sind. Am Gehirn sind Ligaturen sehr umständlich, ganz im Gegensatz zu Operationsgebieten wie beispielsweise dem Darm.
Anders als bei der Verwendung von monopolaren Instrumenten kann man hiermit das Gewebe nicht schneiden oder großflächig veröden. Dies ist beispielsweise bei stärkeren Blutungen erforderlich.

Zubehör:

Natürlich gibt es in der Hochfrequenzchirurgie nicht nur Bipolare Pinzetten oder monopolare Messerelektroden.

Für perianalen Abszessen oder Hämorrhoiden wird beispielsweise eine sogenannte Nadelelektrode als Monopolar verwendet. Bei diesen Operationen benötigt man also kein Skalpell für den Hautschnitt, sondern nimmt direkt diese Elektrode. In unserer Klinik gibt es jedoch ein extra “Hautprogramm”.

Auch kann man eine “Schlinge” verwenden. Bei der ein oder anderen Tumor-Op wird so das jeweilige fremde Gewebe einfach herausgeschält oder -geschabt.

Es gibt auch extra Einweg-Reinigungs-Pads, wodurch beispielsweise die Verkrustungen an den monopolaren Elektroden entfernt werden sollen. Meist wird jedoch einfach das Skalpell oder aber die Rückseite einer Pinzette dafür verwendet.

In der bipolaren Hochfrequenzchirurgie findet auch die bipolare Schere Verwendung. Sie schneidet und koaguliert zugleich bei Betätigung des jeweiligen Fußschalters. Bei uns wird diese häufig bei größeren abdominal chirurgischen Eingriffen eingesetzt.

In der Minimalinvasiven Chirurgie findet man selbstverständlich auch Monopolar und Bipolar. Jedoch müssen diese Instrumente stets über einen Fußschalter betätigt werden.

Das reicht jedoch erst mal zum Thema Medizintechnik, beziehungsweise Hochfrequenzchirurgie. Schließlich müsst Ihr im OP nicht irgendwelche physikalischen Vorgänge beschreiben, sondern bei der Behandlung des Patienten behilflich sein.

Ich wünsche Euch einen schönen Abend, ein schönes restliches Jahr und zu guter Letzt natürlich auch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Und denkt dran, falls Ihr Raketen und Böller verwendet, haltet ausreichend Abstand 😉

Liebste Grüße, Eure franzi 🙂

Ausbildung zur OTA – Lernbereiche und Unterrichtsfächer

Hallo Ihr Lieben!
Nachdem ich in meinen letzten Posts über meinen Urlaub in London ausgiebig berichtet habe, möchte ich mich nun, wie versprochen, wieder mit dem Hauptthema meines Blogs zurückmelden.
Da ich Euch zuletzt über meine Erfahrungen im Arbeitsalltag während der drei Lehrjahre berichtet habe, werde ich heute an dieser Stelle mit der Theorie hier anknüpfen.
Die Unterrichtsfächer sind in dieser Ausbildung in vier Lernbereiche gegliedert:
I. Kernaufgaben der OTA
II. Spezielle Aufgaben der OTA
III. Ausbildungs- und Berufssituationen
IV. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen

 

Mein Zeugnis nach dem ersten Ausbildungsjahr (copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de)

Gerade mit dieser Aufteilung habe ich mich anfangs schlecht anfreunden können, da man es von der Schule her gewohnt ist, in mehreren Fächern und nicht nach Lernbereichen bewertet zu werden. Auch das Sortieren meiner Unterlagen nach diesen Kategorien fiel mir nicht leicht, da man während der drei Jahre aus allen Bereichen immer wieder neue Inhalte nähergebracht bekommt. Auf Eurem Abschlusszeugnis werden aber letztendlich nur Eure Noten für die schriftliche, praktische und mündliche Prüfung und der sich aus allen erbrachten Leistungen ergebene Durchschnitt vermerkt.

Wir hatten aber auch “normale” Fächer wie beispielsweise Deutsch, Englisch (hier allerdings mehr auf die Medizin bezogen), Ethik und Chemie. Im Stundenplan und auch im Unterricht waren unsere Fächer allerdings nicht als Lernbereich X, Kategorie Y vermerkt, sondern eben als Anatomie, Pathologie, Chirurgie, medizinische Fachsprache,Strahlenschutz, Hygiene, Erste Hilfe und einige weitere Fächer.

 

Welche Inhalte werden in den Fächern und Lernbereichen vermittelt?

Bei Anatomie muss ich ja eigentlich nicht genauer drauf eingehen, denn das  sollte jedem, der diesen Beruf ausüben will, selbst klar und deutlich vor Augen liegen. In den ersten Wochen beginnt Ihr noch einmal kurz mit der Zelle und widmet Euch dann den größeren Bereichen unseres Körpers. Ob Ihr von dort an mit den Muskeln weitermacht oder Euch doch chronologisch von oben nach unten durch den ganzen Magen-Darm-Trakt arbeitet, später noch mal genauer auf die einzelnen Extremitäten, Knochen, Gehirn oder auch das Urogenitalsystem arbeitet, ist sicherlich von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich.

Bei uns war der Anatomieunterricht leider zu Beginn etwas unglücklich verlaufen, da wir einen Sportmediziner als Dozenten hatten, der nicht nur schwerhörig war, sondern auch einfach kein System in seinem Unterricht hatte. Gute Anatomielehrer sind eine Rarität! Später hatten wir aber das Glück, dass wir von einem sehr guten Allgemeinmediziner durch den Magen-Darm-Trakt geführt wurden und das Skelett- und Bewegungssystem ebenfalls von einem wirklich sehr kompetenten Dozenten vermittelt wurde. Vieles zu der Anatomie lernt Ihr aber auch bei den einzelnen ärztlichen Dozenten, die Euch von den Erkrankungen und deren Behandlungsmethoden vom jeweiligen Fachgebiet berichten (z.B. Gefäßchirurgie, Orthopädie, MKG-Chirurgie, Neurochirurgie etc.).

(copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de und instagram.com/x3franzii)

Im Fach Chirurgie lernt Ihr die wichtigsten und häufigsten Krankheitsbilder mit deren Behandlungsmöglichkeiten. Denn nicht alles muss auch gleich operiert werden, sondern kann auch konservativ behandelt werden. Aber hier lernt Ihr nur grob den operativen Ablauf, welche Materialien, Instrumente und welche Lagerung Ihr genau für die OP XY benötigt, lernt Ihr meist bei Eurer Fachbereichsleitung, die Euch alles speziell zu Eurer späteren Tätigkeit im OP näher bringt.
Die Chirurgie hängt unmittelbar mit der Anatomie zusammen und es lässt
sich daher meist einfach nicht vermeiden, dass man bei diesen Bereichen
in das andere Fach abschweift.

Eure Fachbereichsleitung lehrt Euch alles rund um den Beruf “OTA” (daher haben wir das Fach auch einfach OTA genannt). Ihr lernt hier allerdings nicht nur beispielsweise wie Ihr welches Instrument nennt, sondern leider auch die trockene Theorie rund um die Medizintechnik – sprich welche Steckdose was bedeutet, was sich alles beispielsweise auf einem Endoskopieturm befindet und vieles mehr. Hier wird aber auch vieles durch genaues Zeigen und in-die-Hand-nehmen vermittelt. Zu Beginn der Ausbildung wisst Ihr ja beispielsweise nicht, wie man ein Skalpell anreicht – geschweige denn wie man eine Skalpellklinge ein- und ausspannt. Bei uns wurde hier wirklich sehr viel Rücksicht auf jeden einzelnen Schüler und seine Bedürfnisse genommen, was leider manchmal auch dazu führte, dass wir für unseren Unterrichtsstoff etwas zu lange benötigt haben 😛

 

So sah beispielsweise eines unserer Arbeitsblätter aus. Unbezahlte Werbung – Markenerkennung
(copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de und instagram.com/x3franzii)


Pathologie enthält ebenfalls sehr viele wichtige Themen, die Euch im späteren Arbeitsleben immer wieder begegnen werden. Beispielsweise lernt Ihr hier die genaue Bedeutung des BMI, was genau Hyper-/ Hypotonie bedeutet und ab wann diese laut Definition gelten, aber auch die TNM-Tumorklassifikationen, und viele unter anderem internistische Krankheitsbilder –  wie beispielsweise die Thrombose oder Herzinsuffizienz. In diesem Fach werdet Ihr häufiger mit Definitionen konfrontiert, die bei uns auch gerne bei Prüfungen abgefragt wurden.

Wie Ihr jetzt wahrscheinlich bereits schon gemerkt habt, überschneiden sich die einzelnen Unterrichtsfächer oftmals. Dies ist aber ganz und gar nicht zu Eurem Nachteil, sondern eher zu Eurem Vorteil. Denn je häufiger Ihr etwas während der theoretischen Ausbildung durchnehmt, desto besser prägt sich dies bei Euch ein und Ihr müsst für die Abschlussprüfung weniger lernen 😉

Welche Fächer gehören zu welchem Lernbereich?

Um es Euch im Voraus ein wenig leichter zu machen, werde ich Euch nun die Unterteilungen der Fächer in die jeweiligen Lernbereiche nennen. Allerdings ist dies natürlich auf meine Berufsschule bezogen, daher weiß ich nicht, ob es bei anderen Schulen ähnliche oder gar andere Fächer gibt.

Lernbereich I – Kernaufgaben der OTA:
– Hygiene
– Strahlenschutz
– Erste Hilfe
– OTA (Medizintechnik, Springertätigkeiten etc.)
– Pathologie (Prophylaxemaßnahmen etc.)

Lernbereich II – spezielle Aufgaben der OTA:
– Anatomie
– Chirurgie – und die einzelnen Fachbereiche der jeweiligen ärztlichen Dozenten
– Pathologie (internistische Erkrankungen etc.)
– Anästhesie
– OTA – spezielle Tätigkeiten im Beruf (Instrumentieren, OP-Abläufe etc.)
– Physik
– Chemie

Lernbereich III – Ausbildungs- und Berufssituationen:
– Kommunikation
– OTA – Grundlagen im Beruf (Umgang mit den Patienten, Aufgaben OP-Personal etc.)
– Deutsch (Arbeiten im Team)
– OTA (Berufsbild)
– Ethik

Lernbereich IV – rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen:
– Recht
– OTA (Dokumentation etc.)
– Qualitätsmanagemant
– Wirtschaftlichkeit und Ökologie

Wie Ihr hier schon seht, sind die ersten beiden Lernbereiche mit deutlich mehr Material gefüllt, weshalb diese in der Prüfung auch mehr Zeit (bei uns) in Anspruch genommen haben. Einige Fächer habe ich hier ja bereits schon kurz angeschnitten, in einem weiteren Post gehe ich aber gerne, falls gewünscht, noch mal genauer auf die jeweiligen Fächer ein.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und einen schönen Abend!

Eure franzi 🙂

Datenschutz
Ich, Patricia Bellasie (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
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