Weiterbildungsmöglichkeiten als OTA

https://www.pexels.com/de-de/foto/geschaft-notfall-arbeit-klinik-7108116/

Heute möchte ich nochmal genauer auf die einzelnen Weiterbildungsmöglichkeiten, die für Operationstechnische Assistenten möglich sind, eingehen. Viele denken tatsächlich, dass der Beruf OTA einer Einbahnstraße gleicht und es keine Aufstiegsmöglichkeiten gäbe, doch dem ist nicht so. Die Weiterbildungsmöglichkeiten sehen in diesem Beruf einfach nur ganz anders aus, als es beispielsweise bei kaufmännischen Ausbildungsberufen der Fall ist.

Zugegebenermaßen ist es wirklich schwierig, die einzelnen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten überhaupt ausfindig zu machen. Aber das liegt möglicherweise auch daran, dass es den Beruf der Operationstechnischen Assistenz einfach noch nicht so lange gibt wie beispielsweise die Gesundheits- und Krankenpflege. Zudem ist man als OTA auch bereits hochspezialisiert. Was ich leider auch noch erwähnen muss, ist die Tatsache, dass man mit einer Weiterbildung nicht unbedingt auch automatisch das große Geld verdient. Oftmals hat eine Weiterbildung leider keine große Auswirkung auf das jeweilige Gehalt, trotz eventuellem Mehraufwand.

 

Weiterbildungsmöglichkeiten ohne Studium

Beginnen wir zunächst einmal mit den Weiterbildungsmöglichkeiten, die in Richtung zweite Ausbildung oder Fortbildung gehen. Dies sind unter anderem die Praxisanleitung, Stations- oder Bereichsleitung, Hygienebeauftragter oder -fachkraft, Qualitätsmanagement, die Chirurgisch-Technische Assistenz oder auch die Anästhesietechnische Assistenz.

 

Weiterbildungsmöglichkeiten mit Studium

Ob mit Abitur oder ohne, auch als OTA kann man ein Studium absolvieren und sich auf diese Art und Weise weiterbilden. Sobald man zwei Jahre durchgehend im Beruf gearbeitet hat, kann man sich die Berufliche Qualifikation für ein Studium im jeweiligen Fachbereich bestätigen lassen. Mit dieser kann man dann in Richtung Medizin-/ Pflegepädagogik, Gesundheitsmanagement oder -ökonomie, Physician Assistant oder auch Humanmedizin studieren. Ja, Ihr lest richtig! Man kann tatsächlich ohne Abitur und nur mit einer Ausbildung auch ein Medizinstudium absolvieren.

 

Kommen wir zu den einzelnen Weiterbildungen, aber nur im Schnelldurchlauf, denn wenn ich jede einzelne Zusatzqualifikation genauer ausführen würde, würde dies den Rahmen des Beitrags deutlich sprengen.

 

Kostenloses Stock Foto zu ausbildung, bildung, dreckig
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/holz-licht-dreckig-schule-131773/

 

 

Weiterbildung zum Praxisanleiter/-in

Beginnen wir mit der ersten Weiterbildungsmöglichkeit, die in der Regel auch von den Pflegekräften zunächst wahrgenommen wird: die Praxisanleitung. Wie der Name schon verrät, seid Ihr am Ende der Fortbildung dazu qualifiziert, die Auszubildenden anzuleiten, zu bewerten und auch später bei den jeweiligen Prüfungen zu begleiten.

Um für diese Weiterbildungsmöglichkeit zugelassen zu werden, muss man in seinem Ausbildungsberuf mindestens zwei Jahre lang gearbeitet haben. Hat man während der Ausbildung parallel ein begleitendes Studium absolviert, so kann man sich auch direkt im Anschluss zum Praxisanleiter weiterbilden lassen.

Eine gute Praxisanleitung ist mit viel Aufwand verbunden, die jedoch kaum bis gar nicht zusätzlich vergütet wird. Dafür wird man aber von seinem Arbeitgeber für ein gewisses Kontingent an Stunden freigestellt, um sich ausführlich mit den Auszubildenden auseinander zu setzen. Seiner normalen Tätigkeit geht man aber trotzdem parallel nach.

Während der Weiterbildung werden unter anderem folgende Inhalte vermittelt: Qualitäts- und Konfliktmanagement, rechtliche Aspekte wie Arbeits- und Haftungsrecht oder auch das Jugendarbeitsschutzgesetz. Des Weiteren erhält man Einblicke in die Didaktik, Methodik und auch verschiedene psychologische Aspekte. Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Inhalten, die während des Lehrgangs behandelt werden.

Die Weiterbildung hat eine Dauer von ca. 300 Stunden, die überwiegend theoretisch gehalten sind. Prüfungen müssen ebenfalls absolviert werden. Diese reichen von Klausuren über Hausarbeiten bis hin zu mündlichen und praktischen Prüfungen in der Klinik.

 

Weiterbildung Bereichs- oder Stationsleitung

Für uns im OP wäre dies konkret die Fachbereichsleitung und auch die OP-Leitung. Auch für diese Weiterbildungsmöglichkeit muss man mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in seinem Ausbildungsberuf gesammelt haben, oder ein abgeschlossenes Studium im entsprechenden Bereich nachweisen, bevor man sich bewerben kann.

Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine berufsbegleitende Weiterbildung, die maximal drei Jahren beträgt. Ein Großteil nimmt hierbei der theoretische Teil in Anspruch – ein Teil kann jedoch durch eigenständiges Lernen übernommen werden und muss nicht in der Weiterbildungsstätte absolviert werden. Praktische Hospitationen, Modulprüfungen, schriftliche und mündliche Projekte sind ebenfalls Bestandteile.

Mit Abschluss dieser Weiterbildung ist die Übernahme von Leitungs- und Führungsaufgaben innerhalb einer Abteilung möglich. Man übernimmt die Gestaltung des Dienstplans, ist für Organisatorisches verantwortlich, muss Gespräche führen (Mitarbeiter und Bewerbungsgespräche), Bestellungen sowie Abläufe koordinieren und optimieren. Und noch viele weitere Aufgaben übernehmen!

Als leitende Funktion verdient man in der Regel etwas mehr als die anderen Mitarbeiter, genaue Zahlen habe ich jedoch nicht finden können.

 

Fortbildung zum „Beauftragten Mitarbeiter“

Generell bildet man als beauftragter Mitarbeiter immer eine Stabstelle zwischen den Mitarbeitern in der jeweiligen Abteilung vor Ort und der jeweiligen Organisation – hier der Hygiene. Bei uns im OP gibt es beispielsweise neben den Hygienebeauftragten auch Strahlenschutzbeauftrage oder Medizintechnik-beauftragte Kollegen. Diese sind dann für die Mitarbeiter, aber auch die Leitung des OPs in der Regel die erste Anlaufstelle, wenn es irgendwelche Fragen beispielsweise gibt.

In den jeweiligen Schulungen, die einige Stunden in Anspruch nehmen, erwerben die „beauftragten Mitarbeiter“ notwendige Kenntnisse zu ihrem jeweiligen Bereich: Hygiene, Strahlenschutz, Medizintechnik. Abgeschlossen wird eine solche Fortbildung mit einer entsprechenden Prüfung. Beauftragte üben die Tätigkeit freiwillig neben dem eigentlichen Beruf aus, was sich in einer zusätzlichen Bezahlung meist nicht widerspiegelt.

Bei Fragen beispielsweise rund um neue Hygienerichtlinien oder die Einweisung in neue medizinische Gerätschaften sind die jeweiligen beauftragen Mitarbeiter die erste Anlaufstelle. Sie kümmern sich nebenbei um diese Bereiche, gehen regelmäßig auf entsprechende Schulungen und sind so immer auf dem aktuellsten Stand.

 

Weiterbildung zum Chirurgisch-Technischen Assistenten (CTA)

Jetzt kommen wir doch mal zu einer Weiterbildung, die vielleicht etwas praktischer und interessanter für den Ein oder Anderen ist. Als CTA ist man ein Bindeglied zwischen den Ärzten und der Pflege. Man übt unter anderem verschiedene delegierbare ärztliche Tätigkeiten aus. Diese können die Begleitung von Visiten sein, Legen von peripheren Zugängen, Verbandskontrollen und -wechsel, sowie auch die Assistenz im OP.

Im OP selbst übernimmt man beispielsweise die eigenständige und eigenverantwortliche Lagerung des Patienten und ist als erste, zweite oder dritte Assistenz direkt bei der Operation mit involviert. Dabei ist man nicht nur der „Hakenhalter“, sondern kann unter anderem auch beim Nähen unterstützen und beispielsweise den Wundverschluss eigenständig durchführen.

Um sich als OTA zur CTA weiterbilden zu können (im Übrigen auch umgekehrt), muss man zwei Jahre lang in seinem ursprünglichen Ausbildungsberuf arbeiten. Im Anschluss kann man dann den theoretischen und praktischen Teil der Weiterbildung ausüben. Wenn Du genaueres zur Chirurgisch-Technischen Assistenz erfahren möchtest, auch im Hinblick auf den Unterschied zu den Tätigkeiten als OTA, dann empfehle ich Dir den passenden Beitrag dazu! 😉

 

Kostenloses Stock Foto zu arzt, Ärzte, ausrüstung
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/sauber-klinik-arzt-gesundheit-4421486/

 

 

Weiterbildung Anästhesietechnische Assistenz (ATA)

Neben der Chirurgisch-Technischen Assistenz gibt es auch die Weiterbildungsmöglichkeit zur Anästhesietechnischen Assistenz. Die Voraussetzungen für die Weiterbildung sind prinzipiell ähnlich, jedoch arbeitet man dann logischerweise im Anschluss auf der „anderen Seite des Tuchs“.

Als ATA ist man nämlich unter anderem für die Vor- und Nachbereitung des Patienten für die Narkose verantwortlich. Hierfür ist Medikamentenkunde sehr wichtig und natürlich ein sehr großer Bestandteil der Ausbildung. Man muss nämlich die unterschiedlichsten Medikamente in den jeweiligen Dosierungen kennen, um diese dann auf den Patienten individuell abstimmen zu können.

Die Vorbereitung der Narkose, das sogenannte „richten“ – ähnlich wie bei uns, ist mit eines der Hauptaufgabengebiete eines ATAs. Dafür müssen eben nicht nur die benötigten Medikamente richtig dosiert aufgezogen werden, sondern auch die Materialien für die unterschiedlichsten Narkoseformen vorbereitet werden.

Spoiler: Es wird rund um die Narkose und Anästhesie in naher Zukunft auch einen eigenen Beitrag geben, den ich hier dann selbstverständlich nachträglich verlinke.

Während der Operation überprüfen und überwachen ATAs unter anderem auch den Patienten und notieren dafür beispielsweise die ganzen Vitalparameter. Auch müssen sie die Tiefe der Narkose im Blick behalten, um rechtzeitig weitere benötigte Medikamente aufziehen zu können.

Nach der Operation müssen sie natürlich auch bei der sogenannten Ausleitung dem Anästhesisten assistieren und hilfreich zur Seite stehen. Denn auch in dieser Phase können einige Probleme auftreten, die ein schnelles Handeln erfordern.

Im sogenannten Aufwachraum, wo der Patient sich von der Narkose und der Operation erholt, sind ATAs ebenfalls für die Überwachung zuständig, um bei möglichen Unverträglichkeiten oder Komplikationen rechtzeitig agieren zu können.

Das war der ATA im Schnelldurchlauf. Was vielleicht noch wichtig zu erwähnen ist: Der ATA ist in der Anästhesiepflege im Prinzip das, was wir als OTA in der OP-Pflege sind. Sie sind schneller und spezialisierter ausgebildet für den Fachbereich der Anästhesie als eine Anästhesie Fachpflegekraft. Der Beruf ist „noch“ recht neu und daher nicht so weit vertreten wie der des OTAs.

 

Weiterbildungsmöglichkeit über ein Studium zum Physician Assistant (PA)

Auch der Physician Assistant ist noch ein relativ neuer Beruf in Deutschland. Bislang war dieser Studiengang sogar nur an privaten Hochschulen möglich. Mittlerweile erkennen jedoch einige weitere die Notwendigkeit dieses Berufsbildes an und ermöglichen somit ein Studium ohne hohe Kosten.

Der Physician Assistant ist wie der CTA eine „Mischung“ aus Pflegekraft und Arzt. Man übernimmt aktuell ähnliche Tätigkeiten wie es bei der Chirurgisch-Technischen Assistenz der Fall ist. Dies liegt aber hauptsächlich auch daran, dass dieser Abschluss einfach noch recht unbekannt ist.

Als PA kann man beispielsweise die Anamnese erheben, Patientengespräche und körperliche Untersuchungen durchführen und dadurch auch schon Diagnosevorschläge äußern. Eine genaue Diagnosestellung bleibt jedoch im Verantwortungsbereich eines Arztes.

Kleinere Eingriffe kann ein PA aufgrund seiner Spezialisierung und des vorhandenen Fachwissens auch durchführen. Da wir hier vom PA-Studium als Weiterbildungsmöglichkeit sprechen, kann man innerhalb von drei Jahren diesen Abschluss berufsbegleitend erwerben.

Wer sich ganz genau über das Physician Assistant-Studium informieren möchte, der sollte sich auch hier den passenden Beitrag dazu durchlesen. Denn dort erfahrt Ihr weitere wichtige Informationen, die hier den Beitrag bezüglich der Länge sonst sprengen würden.

 

Weitere Studiengänge, die auch als OTA möglich sind

Neben Pflege- oder Medizinpädagogik, Pflegemanagement, Gesundheitswissenschaften und -management, kann man auch Humanmedizin studieren. Es gibt sicherlich noch weitere Studiengänge, aber meiner Meinung nach die bekanntesten.

Pädagogik ist, wie der Name schon verrät, ein Studiengang, durch den man zum Unterrichten an (medizinischen) Berufsfachschulen befähigt wird. Denn irgendwer muss unsere Nachwuchskräfte, die wir wirklich dringend benötigen, auch unterrichten und ausbilden. Man kann auch hierfür nur über die berufliche Qualifikation zugelassen werden. Hat man jedoch eine Abiturvariante, kann man direkt nach der Ausbildung ohne weitere Praxiserfahrung starten.

Die beiden Management-Studiengänge befähigen einen unter anderem auch zur Leitung einer OPs. Man kann aber auch eine Etage höher gehen und im Management der Klinik mitwirken, wo man noch mehr Entscheidungen über gewisse Prozesse und deren Optimierung treffen kann. Generell sind sich Pflege- und Gesundheitsmanagement, sowie Pflege- als auch Gesundheitswissenschaften sehr ähnlich im Aufbau des Studiums.

Die wissenschaftlichen Studiengänge vertiefen Themen wie Anatomie, Physiologie oder Psychologie. Aber auch die Diagnostik und Interventionstechniken, Forschung und – wie eben bereits erwähnt – Managementthemen werden im Rahmen des Studiums behandelt. Mit einem Abschluss kann man auch hier im Management einsteigen, es gibt aber auch die Möglichkeit, bei Krankenkassen tätig zu werden.

 

Das Medizinstudium

Muss ich dazu wirklich noch etwas sagen, beziehungsweise genauer drauf eingehen? Ja, als examinierte/r Operationstechnische/r Assistent/in kann man im Anschluss Humanmedizin studieren – sofern man einen der begehrten Studienplätze ergattern kann. Hat man die Allgemeine Hochschulreife, so kann man sich Punkte für die Ausbildung und die Berufstätigkeit anrechnen lassen. Zusammen mit einem guten TMS stehen die Chancen dann recht gut, um über das ADH oder die Eignungsquote zugelassen zu werden.

Ohne Abitur kann man sich über die Berufliche Qualifikation bewerben. Diese erlangt man, wenn man einen Abschluss von mindestens 2,5 als Durchschnittsnote vorweisen kann, sowie eine Berufserfahrung von mindestens 3 Jahren. Extrapunkte für den Beruf und die Erfahrung gibt es bei dieser Variante leider nicht. Dafür kann man aber beispielsweise mit einem sehr guten Abschluss bei der Abibestenquote punkten. Mit einem sehr guten TMS stehen auch hier die Chancen wieder deutlich besser für ein zukünftiges Medizinstudium.

 

So, das waren jetzt die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die wir als Operationstechnische Assistenten wahrnehmen können. Es gibt bestimmt noch einige mehr, aber das sind denke ich die bekanntesten.

 

Hoffentlich konnte Euch dieser Beitrag ein wenig Aufschluss geben und vielleicht bei der Entscheidung über eine Weiterbildung hilfreich zur Seite stehen.

 

Ich wünsche Euch noch einen schönen Abend und ein schönes restliches Osterwochenende!

Eure franzi!

 

 

 

Quellen:
Jeweils letzter Zugriff am 25.03.2021 im Zeitraum von 18:00h bis 21:00h

https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/2_Themen/2.5._Personal_und_Weiterbildung/2.5.11._Aus-_und_Weiterbildung_von_Pflegeberufen/DKG-Empfehlung_fuer_die_Weiterbildung_zur_Praxisanleitung_vom_29.09.2015/Neu_ab_1.5/DKG_Empfehlung_Praxisanleitung_2019_06_18.pdf

https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/2_Themen/2.5._Personal_und_Weiterbildung/2.5.11._Aus-_und_Weiterbildung_von_Pflegeberufen/DKG-Empfehlung_fuer_die_Leitung_einer_Station_eines_Bereichs/DKG-Empfehlung_2019_06_18.pdf

https://www.pflegestudium.de/weiterbildung/qualitaetsmanagementbeauftragter/#karriere

https://www.pflegestudium.de/weiterbildung/hygiene/#karriere

https://www.pflegestudium.de/studiengaenge/pflegewissenschaft/

.

Patient im OP – Ich werde operiert

Kein Zutritt! Nur für OP-Personal. franzis-Blogstory.schreibnacht.de

Aufbauend auf meinen Post bei Instagram möchte ich hier nun auch noch mal genauer auf die Thematik “Patient im OP – was sollte ich beachten” eingehen.

Immer wieder findet man folgende Frage: “Muss ich im OP wirklich komplett nackt sein?”, “Muss ich meinen BH/die Unterwäsche ausziehen?”, “Sehen mich auch Männer/Frauen nackt im OP?” Nun möchte ich diese Fragen für Euch als Insider beantworten.

 

Weiterlesen

Ausbildung zur OTA – Präparate

Hallo Ihr Lieben!

Der heutige Beitrag dreht sich mal wieder um ein etwas spezielleres Thema – nämlich um Präparate. Denn diese findet man auch häufig in unserem Arbeitsalltag als OTA vor. Doch was sind überhaupt Präparate im OP? Muss man bei deren Versorgung etwas beachten? Gibt es überhaupt irgendetwas zu beachten? Die Antworten findet Ihr im weiteren Verlauf!

Definition

Laut Definition ist ein Präparat ein Objekt in der Anatomie, Pathologie sowie in der Mikrobiologie, welches durch bestimmte Verfahren untersucht wird. Diese dienen unter anderem zu Lehrzwecken und zur Anschauung (siehe Körperwelten). Werden Präparate von einem Arzt oder Präparator zur Weiterbearbeitung aufbereitet, so bezeichnet man diesen Vorgang als Präparation.

Photo by Arthur Lambillotte on Unsplash
Plastinierter menschlicher Körper z.B. bei Körperwelten
Photo by Arthur Lambillotte on Unsplash

Präparate im OP

Während manchen Operationen werden auch gewisse Proben entnommen. Diese werden anschließend zur histologischen Begutachtung ins pathologische Institut oder ins Labor geschickt. So ist es zum Beispiel der Fall bei Tumoroperationen. Jeder Tumor wird eingeschickt um festzustellen, ob man genug vom umliegenden Gewebe mit entfernt hat. So weiß man genau ob man noch mal nachresezieren, also nachschneiden, muss.

Auch wird hierbei genau festgestellt, um welche Art Tumor es sich handelt, also beispielsweise ob der Tumor gut- oder bösartig ist. Daraus wird dann geschlossen, wie die weitere Behandlung des Patienten aussehen sollte.

Diese histologischen Präparate werden auch Schnittpräparate genannt. Sie werden durch bestimmte Verfahren beispielsweise eingefärbt, eingefroren und in viele kleine Scheiben geschnitten. So können die Präparate gründlich im Mikroskop begutachtet werden.

Bei den Präparaten unterscheidet man zwischen Schnellschnitt, Eilschnitt, normaler Histologie, Abstrichen und Mikrobiologie.


Schnellschnitt

Dieses Präparat muss sofort, unverzüglich nach dem OK des Operateurs an die Pathologie weitergegeben werden. Dabei muss man darauf achten, dass das Präparat vor dem Austrocknen geschützt wird – hierfür sollte man z.B.
Ringer oder Kochsalz verwenden. Jedoch nicht zu viel! Das Gewebe darf lediglich mit den eben genannten Flüssigkeiten benetzt sein.

Von Formalin ist an dieser Stelle abzuraten. Es führt dazu, dass das Präparat fixiert und gehärtet wird und nicht im originalen Zustand verbleibt. Das Pathologische Institut sollte binnen einer Stunde eine Rückmeldung zu dem jeweiligen Schnellschnitt geben.

Eilschnitt

Ein Eilschnitt ist zunächst so zu behandeln wie ein ganz normales Präparat.
Das bedeutet, dass das Gewebe mit Formalin behandelt wird. Es muss jedoch so bald wie möglich zur Untersuchung in die Pathologie gebracht
werden. Wenn man so will ist ein Eilschnitt also ein Schnellschnitt, nur dass dieser eben fixiert werden darf.

Normale Histologie/ Präparate

Die normale histologische Untersuchung wird immer mit Formalin fixiert. Dabei unterscheidet man jedoch, ob man mit einer 5-prozentigen oder 10-prozentigen Lösung fixiert. Bei uns verwenden beispielsweise alle Fachbereiche, bis auf die Neurochirurgie, 5% Formalin. Weiteres zum Formalin könnt Ihr weiter unten erfahren.

Das Präparat wird hierbei, sobald der sterile Dienst Zeit hat, an den Springer abgegeben und in ein passendes Gefäß mit der eben erwähnten Flüssigkeit gegeben. Je nach Präparat wird dieses jedoch vorher noch vom unsterilen Dienst eröffnet. So ist dies beispielsweise der Fall bei einer Darmoperation oder bei der Entfernung der Gallenblase.

Bei der einer Cholezystektomie “CHE” (Gallenblasenentfernung) wird das Präparat deshalb aufgeschnitten, um zu sehen ob und wie viele Steine vorhanden sind. Diese bekommt der Patient ausgehändigt, es sei denn er möchte sie nicht haben. Grundsätzlich ist nämlich alles, was nicht zur histologischen Sicherung geht Patienteneigentum!

Desweiteren werden im OP auch andere Proben entnommen:

Photo by Louis Reed on Unsplash
Photo by Louis Reed on Unsplash


Mikrobiologische Präparate

Als Mirkobiologie wird Gewebe, aber auch Flüssigkeiten und Sekrete eingeschickt. Hierbei wird jedoch nicht überprüft, ob es sich bei den Proben um Tumorgewebe handelt, sondern ob beispielsweise Keime nachweisbar sind. Die Proben werden in kleine Gefäße oder Röhrchen gegeben und dann meist während oder am Ende des Arbeitstages ins Labor zur Untersuchung geschickt.

Wird Gewebe entnommen, so muss dies durch die Zugabe von Ringer- oder Kochsalzlösung vor dem Austrocknen geschützt werden. Bei nahezu jeder Revisionsoperation werden solche Proben entnommen – beispielsweise wenn der Patient eine Hüftprothese hat und diese aufgrund eines Infektes entfernt werden muss.

Da bei solchen Operationen gerne mehrere Präparate entnommen werden, ist es ratsam, sich ein System zu überlegen wie man sie nicht verwechseln kann. Dies kann beispielsweise durch eine Durchnummerierung mithilfe eines sterilen Stiftes erfolgen, oder aber durch die Verwendung von mehreren Kompressen die man sich der Reihe nach hinlegt. In der Regel sollte sowieso für jede Probe eine neue Kompresse verwendet werden, um eine Verfälschung zu vermeiden.

Abstriche

Abstriche werden ebenfalls wie die Mikrobiologie (=Mibi) behandelt. Das heißt sie werden ebenfalls überwiegend bei Revisionsoperationen entnommen, wobei es heutzutage mehr Mibis als Abstriche sind. Ein Abstrich besteht aus einem Wattestäbchen und einem dünnen Röhrchen, welches bereits mit einer Flüssigkeit gefüllt ist.

Wichtig ist, dass Ihr keinesfalls den Teil mit dem Handschuh oder sonst irgendetwas berührt, welches ins Röhrchen kommt. Der Abstrich wird also aus der Verpackung genommen, direkt in das jeweilige Gebiet gestrichen und kommt dann unverzüglich in das Röhrchen.

Jede weitere Art von Berührung des Stäbchens führt zu einer Kontamination und damit zur Verfälschung des Ergebnisses.

Abstrichröhrchen
Dies ist ein sogenannter Abstrich. Wie Ihr sehen könnt, befindet sich in der sterilen Verpackung ein Röhrchen und ein “Wattestäbchen”. Dieses Stäbchen muss aus der Verpackung mit einer Klemme entnommen werden und direkt in das jeweilige Gebiet streichen. Im Anschluss wird das Stäbchen in das beigefügte Röhrchen gegeben.

Umgang mit Präparaten

Wie eben bereits erklärt, ist es wichtig direkt zu klären, um welche Art Präparat es sich handelt. Desweiteren ist die Beschriftung von großer Bedeutung. Gibt es mehrere Präparate, so ist es wichtig zu klären was was ist. Gerade bei einer Lymphknotenentfernung gibt es beispielsweise direkt viele Präparate. Der jeweilige Chirurg kann sich nicht immer bei einer längeren Operation merken was er wann und wo entfernt hat.

Daher seid Ihr an dieser Stelle als eine Art “Sekretär/in” gefragt. Aber die Präparate sollten sowieso auch in Eurer Dokumentation festgehalten werden. Wie heißt es immer so schön? Doppelt hält besser! Wir hatten beispielsweise schonmal den Fall, dass auf den Überweisungen oder den Scheinen für die Pathologie die Präparate und deren Anzahl falsch beschriftet waren. Durch Eure Dokumentation kann man dann besser nachvollziehen wo beispielsweise der Fehler unterlaufen ist.

Mikroskop Photo by Michael Longmire on Unsplash
Photo by Michael Longmire on Unsplash


Fixation der Präparate

Weiter oben habe ich schon mehrfach den Begriff “Formalin” und “fixieren” verwendet. Doch was hat es genau damit auf sich?
Grundsätzlich werden die Präparate fixiert, damit man sie besser untersuchen kann. Das Ziel der Fixation ist demnach das Bewahren eines natürlichen Zustandes der Zellen und des Gewebes. Man kann die Präparate auf unterschiedliche Art fixieren, beispielsweise mit Alkohol oder durch Einfrieren.

Formalinfixation

Formalin, unter anderem auch bekannt als Formaldehyd, Formol oder Methanal, ist eines der gebräuchlichsten Fixationsmittel. Es verhindert die Autolyse (Selbstauflösung abgestorbener Körperzellen) und Fäulnis. Ein weiterer Vorteil ist das rasche und gleichmäßige Eindringen ins Gewebe. So können die Präparate in allen Größen in toto (also komplett) fixiert werden und in dieser Lösung für eine gewisse Zeit verweilen.

Im Anschluss an die Fixation mit Formalin können die meisten gebräuchlichen Imprägnations- und Färbemethoden zur histologischen weiterbearbeitung durchgeführt werden.

Wenn man Formalin ohne jegliche Schutzmaßnahmen verwendet, kann dies jedoch eine Schädigung der Nasenschleimhaut oder eine Dermatitis (also entzündliche Hautreaktion) verursachen. Daher bei der Verwendung stets Handschuhe tragen, sich den Dämpfen der Lösung so kurz wie möglich aussetzen und einen Mundschutz tragen. Die Fixation mit Formalin muss auf dem Gefäß mit dem Präparat gekennzeichnet werden!

Gefriermethode

Durch die Verwendung von flüssigem Stickstoff kann nur wenig Material schockgefroren werden. Dafür wird das zu fixierden Präparat würfelförmig zerkleinert. Nur so kann das Gewebe gleichzeitig gefroren werden.

Ich denke das sollte erst mal zum Thema Präparate im OP und deren Umgang reichen. Falls Ihr dennoch irgendwelche offenen Fragen haben solltet, könnt Ihr diese selbstverständlich jederzeit stellen.

Habt einen schönen Abend!

Eure franzi

Das erste Mal im OP – meine Tipps

OP-Hauben franzis-Blogstory.schreibnacht.de

Hallo Ihr Lieben!

Da ich in letzter Zeit häufiger die Frage gestellt bekomme, wie man sich am besten auf das erste Mal im OP vorbereiten kann, möchte ich diese nun für alle hier beantworten.

Ihr habt die Zusage für ein Praktikum im OP erhalten? Beginnt gerade die Ausbildung zur OTA? Ihr seid ein Medizinstudent, der jetzt kurz vor seinem ersten Einsatz im OP steht? Hier findet Ihr jetzt meinen Guide für Eure erste OP-Erfahrung!

Morgens

Bevor Ihr zum ersten Mal den OP-Trakt betretet, sorgt dafür, dass Ihr morgens gut gefrühstückt habt und nicht mit leerem Magen erscheint. Aber Achtung! Zu viel / zu gut gefrühstückt ist auch nicht sonderlich ratsam! Denn dann wird Euch eher schlecht.

Trinkt nicht unbedingt Tee oder Kaffee vor Eurem ersten Einsatz, denn dieser entwässert und führt gerne auch dazu, dass Ihr häufiger als gewünscht das Stille Örtchen aufsuchen müsst.

In einem älteren Post gebe ich Euch Vorschläge zum Essen im Schichtdienst – also auch Frühstück, Mittagessen oder auch Snacks. Ihr könnt Euch also gerne etwas inspirieren lassen. Ich denke so wisst Ihr vielleicht auch eher, was Ihr bei Eurem ersten Einsatz im OP zu Euch nehmen könnt. Später könnt Ihr ja immer noch den richtigen Weg für Euch finden.

Beim ersten Mal im OP müsst Ihr ausprobieren welche Hauben für Euch geeignet sind.
Verschiedene OP Hauben – probiert einfach mal aus welche für Euch am besten geeignet ist!

Im OP

Wenn Ihr nun während Eures Praktikums oder der ersten Tage in der Ausbildung im OP-Trakt seid, solltet Ihr Euch unbedingt zunächst an eine Person dran hängen. In der Ausbildung sollte dies eigentlich der Praxisanleiter sein. Ansonsten werdet Ihr aber in der Regel auch einer OP-Pflegekraft zugeteilt. Bei den Medizinstudenten unter Euch sollte dies der Arzt sein, der Euch mit in den OP genommen hat. Also entweder der Oberarzt oder der Assistenzarzt.

Ich selbst wurde in meinem Praktikum damals von Medizinstudenten mit in den OP genommen. Mussten diese dann als Assistenz mit an den Tisch, habe ich das gemacht, was der Springer mir gesagt hat. Oder der Anästhesist wenn ich mich mal auf dessen Seite befunden habe.

Grundsätzlich gilt im OP: Was die OTA oder der OP-Pfleger sagt ist Gesetz!

Wir waren alle irgendwann zum ersten Mal im OP. Daher wissen wir auch, wie Ihr Euch fühlt. Die meisten von uns sind auch sehr freundlich und erklären gerne und auch viel. Was Ihr jedoch keinesfalls machen solltet als OP-Frischling: Diskutieren!

Wenn Euch beispielsweise gesagt wird, dass der Mundschutz oder die Mütze falsch sitzen, dann akzeptiert dies und versucht Euch nicht zu erklären oder eben zu diskutieren. Das sehen wir nämlich überhaupt nicht gerne. Somit wären wir auch schon bei den:

Verhaltensregeln im OP

Verhaltet Euch ruhig. Selbstverständlich dürft Ihr Fragen stellen, aber keine Privatgespräche führen und schon gar nicht mit dem Handy rumspielen. Ihr wollt schließlich etwas lernen.

Mund- und Nasenschutz gehören, wie der Name schon sagt, über den Mund und die Nase – also nicht darunter.

Die OP-Haube muss alle Haare komplett bedecken. Das heißt, wenn Ihr einen Bart habt, müsst Ihr eine entsprechende Mütze anziehen. Frauen mit langen Haaren müssen eventuell eine zweite Haube anziehen.

Schmuck, Nagellack und generell künstliche Nägel haben im OP nichts zu suchen. Selbst wenn Ihr es von den Ärzten so vorgelebt bekommt: Eine Uhr, ein Ring etc. hat beim Betreten des OP-Traktes nicht an Eurer Hand zu sein. Schließt die Wertsachen am besten in den Spind.

Haltet genug Abstand zum sterilen Bereich – also mindestens einen Meter. Wenn die OP-Pflege Euch sagt, dass Ihr zu nah seid, dann seid Ihr es auch. Also schön einen Schritt zurückbleiben. Guckt genau hin bevor Ihr eine Bewegung macht um nichts unsteril zu machen. Seid Ihr doch irgendwo dran gekommen, wo Ihr nicht hättet dran kommen dürfen? Dann sagt unbedingt Bescheid!

Achtet auch darauf, dass Ihr nicht im Weg steht. Fragt daher einfach direkt am Anfang nach wo Ihr Euch am besten hinstellen sollt. In der Regel sagt man Euch aber auch “stell dich hier in die Ecke” oder ähnliches.

Wenn Euch schlecht werden sollte, was absolut normal beim ersten Mal im OP ist, dann sagt Bescheid. Denn so kann man Euch schon versorgen ehe Ihr umgekippt seid. Wir verstehen das am besten und es ist wirklich nicht schlimm!

Bei Kontamination – also wenn Ihr beispielsweise stark schwitzen solltet oder aber etwas bei der Operation abbekommen habt, sind die OP-Kleidung sowie Mundschutz und Haube zu wechseln. An dieser Stelle möchte ich Euch auch die 5 Regeln der Händedesinfektion ans Herz legen. Wenn Ihr diese noch nicht kennen solltet, dann fragt einfach beim OP-Personal nach, ob und wann Ihr Euch die Hände desinfizieren sollt. Grundsätzlich – lieber ein Mal zu viel die Hände desinfiziert als ein Mal zu wenig und dadurch möglicherweise einen Keim mit nach Hause genommen.

Mit eine der wichtigsten Verhaltensregeln im OP ist jedoch das Wahren der Privatsphäre des Patienten. Wenn Ihr also mitbekommt, dass der Patient beispielsweise unnötig komplett entblößt auf dem Tisch liegt, dann gebt dem Saalpersonal Bescheid oder aber deckt diesen selbst zu (z.B. am OP-Ende).

Ich in meinem OP-Outfit.


Erste Aufgaben im OP

Ihr wollt im OP auch mit anpacken? Dann fragt das Saal-Personal ob/wie/was Ihr schon machen könnt. Meistens bekommt Ihr direkt Anweisungen wo Ihr Euch hinzustellen habt und dass Ihr Euch eben am besten ruhig verhalten sollt. Wenn Ihr jedoch Interesse zeigt, dann kann man Euch auch schon kleine Aufgaben geben.

Bei Medizinstudenten wäre dies beispielsweise die Hilfe bei der Lagerung des Patienten und im Anschluss die Assistenz bei der Operation. Beispielsweise das Halten von Haken.

Als Praktikant oder Ausbildungsanfänger wird dies ebenfalls die Hilfe beim Lagern sein. Es kann aber auch sein, dass man Euch zeigt wie Ihr beispielsweise eine Naht steril anreicht und später eben auch andere Materialien. Wenn Ihr dies noch nicht direkt könnt, ist das gar nicht schlimm. Es klingt wirklich sehr banal. Aber auch hier muss man eben einiges beachten, damit man den Inhalt nicht direkt unsteril macht.

Das sind die wichtigsten Regeln, die Ihr bei Eurer ersten Erfahrung im OP beachten solltet. Falls etwas unklar formuliert sein sollte oder Ihr immer noch offene Fragen habt, dann könnt Ihr mir diese selbstverständlich wie immer stellen.

Ich wünsche Euch einen schönen Abend und einen schönen Start in die neue Woche!

Eure franzi 🙂