Patient im OP – Ich werde operiert

Kein Zutritt! Nur für OP-Personal. franzis-Blogstory.schreibnacht.de

Aufbauend auf meinen Post bei Instagram möchte ich hier nun auch noch mal genauer auf die Thematik “Patient im OP – was sollte ich beachten” eingehen.

Immer wieder findet man folgende Frage: “Muss ich im OP wirklich komplett nackt sein?”, “Muss ich meinen BH/die Unterwäsche ausziehen?”, “Sehen mich auch Männer/Frauen nackt im OP?”

Nun möchte ich diese Fragen für Euch als Insider beantworten.



Ist man als Patient im OP wirklich komplett nackt?


Tatsächlich darf man als Patient im OP keine private Kleidung tragen. Also weder Socken, noch BH oder Unterhose. Komplett nackt seid Ihr jedoch nie! Auf der Station bekommt Ihr natürlich ein OP-Hemdchen an und ein luftiges Netzhöschen. Allerdings ist das Hemd meist nur für den Transport, damit man sich nicht gänzlich nackt fühlt. Nachdem Ihr aus dem Bett auf den OP-Tisch gelagert werdet, bekommt Ihr warme Decken/Tücher im Tausch für Euer Hemd.


Aber warum darf ich mein Hemd nicht anbehalten? Es ist doch von der Station und sauber?

Grundsätzlich ist alles, was nicht direkt aus dem OP stammt eine potenzielle Keimquelle. Daher müssen wir uns als Mitarbeiter auch in der Bereichskleidung einschleusen und bei Kontamination auch umziehen. In grüner Kleidung darf man auch nicht im Krankenhaus herumspazieren, falls man dies doch macht, muss man sich natürlich bei Betreten des OP-Traktes wieder umziehen (Ausnahme sind Notfallsituationen).

Zwar enthält das Patientenhemd wahrscheinlich sehr wenige Keimquellen, doch jede Möglichkeit könnte eine Komplikation während der OP hervorrufen und wir sind auf die bestmögliche Versorgung unserer Patienten im OP bedacht.

Genau aus diesem Grund darf ich auch keinerlei private Kleidung mit in den OP nehmen. Hat man nur kleinere, ambulante Operationen, wo die Dauer auch nicht so lange ist, dann gibt es Ausnahmen. So kann man bei einer kleinen Handoperation beispielsweise seine Socken und auch die Unterhose, ggf. sogar das Patientenhemd an behalten. Besser wäre es jedoch ohne.

Grundsätzlich: Wir achten alle darauf, dass die Privatsphäre unserer Patienten stets gewahrt wird und diese nie länger als nötig entblößt im Saal liegen. Wer sich in die Lage des Patienten im OP versetzt, der würde dies selbst auch nicht wollen.


Können mich auch Männer/Frauen nackt sehen?

Im OP arbeiten alle Hand in Hand zusammen. Mann und Frau. Natürlich sehe ich als Frau meinen männlichen Patienten nackt und so ist es auch mit den männlichen Kollegen und weiblichen Patienten. Aber wir gehen damit ganz professionell um. Für uns gehört es zum ganz normalen Arbeitsalltag, dass wir unsere Patienten auch ohne Kleidung sehen. Egal ob Mann, Frau, jung, alt. Wir machen da keine Unterschiede oder gucken extra lange auf die sensiblen Bereiche. Bei Operationen genau in diesen Regionen müssen wir das natürlich, aber ansonsten wird alles zugedeckt, was für die Operation nicht relevant ist.


Was sollte ich als Patient beachten?

Kann ich als Patient im OP auch etwas dazu beitragen? Behilflich sein, damit die OP nicht unnötig verzögert wird?
Ja das könnt Ihr!
Vorab: Wenn Ihr als ambulanter Patient im OP seid, dann müsst Ihr unter Umständen den Weg selbst zu uns suchen von Station. Gebt der jeweiligen Station unbedingt Bescheid, wenn Ihr Euch auf den Weg zu uns macht. Aber auch bei stationären Patienten ist es wichtig, dass Ihr den Pflegekräften Bescheid gebt, wenn Ihr am OP Tag beispielsweise morgens noch mal etwas Bewegung braucht.

Das OP Programm ändert sich gerne mal. Meist wird man als Patient aufrund von Notfällen nach hinten geschoben, doch man kann auch vorgezogen werden. In diesem Fall ist es sehr wichtig, dass man weiß wo Ihr Euch befindet, sodass man Euch auf den schnellsten Weg zu uns in den OP bringen kann.

Im OP ist es sehr sehr wichtig, dass die Haare, wie bei mir auf diesem Bild, unter einer OP-Haube versteckt sind. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Im OP ist es sehr sehr wichtig, dass die Haare, wie bei mir auf diesem Bild, unter einer OP-Haube versteckt sind. Auch Ihr werdet eine Mütze in der Umbettschleuse bekommen, damit die Haare versteckt sind. franzis-Blogstory.schreibnacht.de


Vorbereitung ist das A und O!

Vor einer Operation sollte man weder essen noch trinken. Diesen Zustand bezeichnen wir als “nüchtern sein”. Denn auch bei einer lokalen Operationen kann es sein, dass man notfallmäßig eine Vollnarkose bekommen muss. Für die Anästhesie ist es dann deutlich leichter die Medikamente auf den Patienten anzupassen, wenn dieser nüchtern ist (es gibt noch weitere Gründe, aber das würde zu ausführlich werden).

Achtet darauf, dass Ihr frisch geduscht seid. Man glaubt es kaum, doch im OP hat man tatsächlich häufig sehr ungepflegte Patienten. Und das sind meist nicht diejenigen, die vorher nicht duschen konnten, weil sie einen Unfall hatten. Für uns gibt es fast nichts Schöneres, als einen gepflegten, frisch geduschten Patienten im OP.

Kürzt am besten auch Eure Nägel – sowohl an den Fingern, als auch an den Zehen. Das gilt unabhängig vom OP-Gebiet. Lange Fingernägel können beispielsweise bei der Anästhesie hinderlich sein, denn dann sitzt unter Umständen das Pulsoxymeter nicht richtig und die Werte können nicht richtig gemessen werden. Außerdem sind lange Nägel, eine Keimquelle und für uns ein Verletzungsrisiko. Besonders, wenn es auch noch spitz gefeilte Nägel sind.
Da wir schon bei den Nägel sind: Den Nagellack solltet Ihr, sofern es Euch möglich ist, auch unbedingt entfernen. Zum einen bietet dieser für die Keime ebenfalls ein Medium, zum anderen kann dieser auch durch unser Desinfektionsmittel abblättern und ins OP Gebiet fallen. Also eine zusätzliche Keimquelle und eine Erhöhung der Komplikationsrate.

Im OP arbeiten wir mit Hochfrequenzchirurgie – kurz Strom. Tragt Ihr Schmuck, so kann es sein, dass dieser eine Verbrennung hervorrufen kann, wenn dieser nicht entfernt wird. Daher: als Patient im OP solltet Ihr Euren ganzen Schmuck vorab entfernen. Am besten ist es sowieso, wenn Ihr den Zuhause lassen würdet. Nur so kann definitiv nichts verloren gehen oder gar geklaut werden.



Was ist mit meinen Haaren?

Habt Ihr lange Haare, dann bindet diese am besten ganz locker mit einem Haargummi (ohne Metall) zusammen. Ideal wäre natürlich ein geflochtener Zopf – denn dann verknoten die Haare auch nicht. Wie sag ich immer meinen Patienten an der Patientenschleuse:
“Sie bekommen von mir jetzt auch eine OP-Haube, denn bei uns herrscht ein Dresscode, weshalb jeder eine schöne Mütze tragen muss. Außerdem passen Sie dann besser zu uns”. Mit einem lockeren Zopf geht das natürlich deutlich leichter.

Habt Ihr eine neurochirurgische Operation, also eine am Gehirn, dann würde ich Euch an dieser Stelle folgendes raten. Sofern die OP nicht am Hinterkopf oder im “Sidecut”-Bereich ist, würde ich Euch ans Herz legen, die Haare komplett abzurasieren. Unsere Chirugen sind leider keine ausgebildeten Friseure. Daher rasieren sie wirklich nur so viel ab wie nötig. Und wenn es ein Kreis genau in der Mitte ist, dann ist es auch so. Ihr glaubt gar nicht was da teilweise für Frisuren bei rauskommen.
Außerdem würdet Ihr den Chirurgen so auch schon etwas Arbeit abnehmen. Denn so eine Rasur, besonders bei langen Haaren ist recht umständlich wenn man nicht alles abrasiert.

Da wir gerade bei der Rasur sind: Habt Ihr beispielsweise eine Operation am Bein, dann rasiert am besten auch dort die vorhandenen Haare ab. Denn auch hier wird wirklich nur so viel entfernt wie es für die Operation notwendig ist. Stellt Euch mal ein stark behaartes Männerbein vor, wo in der Mitte des Unterschenkels ein paar Stellen kahl sind und andere wiederum stark behaart. Sieht ganz schön komisch aus, findet Ihr nicht?
Und da ich Symmetrie bevorzuge: Ich würde ja das andere Bein direkt mit rasieren. Sieht einfach besser aus.

Aber so eine Rasur vorab hat auch weitere Vorteile: denn oftmals werden doch nicht alle losen Haare entfernt. Das passiert. Zwar sind diese Haare dann desinfiziert, gelangen sie aber trotzdem in die Wunde, kann es zu einer Wundheilungsstörung kommen, wenn sie nicht entfernt werden. Denn wie Ihr Euch bestimmt vorstellen könnt: Ein Haar gehört nicht ins Innere des Beins (oder auch andere Regionen).

Gruppenarbeit zum Thema Unfallchirurgie. Hier sieht man einige Beispiele für Implantate im OP, auf die man eine allergische Reaktion entwickeln könnte - franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Dieses Bild findet Ihr ebenfalls bei meinem letzten Post. Es ist eine Gruppenarbeit zum Thema Unfallchirurgie. Hier sieht man einige Beispiele für Implantate im OP, auf die man eine allergische Reaktion entwickeln könnte – franzis-Blogstory.schreibnacht.de



Medikamente? Allergien?

Nehmt Ihr Medikamente oder seid Ihr Allergiker? Dann gebt am besten einen Pass oder einen Zettel bei Eurer Aufnahme mit ab. Gerade für die Anästhesie, aber auch für uns sind dies sehr wichtige Informationen.
Beispielsweise bei der Gabe von Antibiotika oder auch der Schlafmedikation. Seid Ihr nämlich auf eines der jeweiligen Inhaltsstoffe allergisch, kann dies für Euch schlimme Folgen während der Operation mit sich bringen!

Ebenfalls ist es für uns sehr wichtig zu wissen, ob Ihr Blutverdünner nehmt. Denn bei jedem Eingriff kann es bluten – bei dem einen mehr, dem anderen weniger. Nehmt Ihr dann noch zusätzlich Medikamente, die sich auf die Eigenschaften Eures Blutes einwirken, kann es zu Komplikationen kommen.

Nichts ist so gut wie eine gute Vorbereitung und Anamnese!

Bekommt Ihr eine Prothese, dann solltet Ihr auch unbedint Unverträglichkeiten wie Nickel etc. nennen. Denn sonst kann es zu einer Abstoßungsreaktion kommen, weshalb Ihr dann große und schwere Revisionsoperationen benötigen werdet. Daher unbedingt von Anfang an reinen Tisch machen!

Mit das Wichtigste für uns ist jedoch die Einwilligung in die OP und in die Narkose. Ohne diese Einwilligung dürfen wir keinen Operieren – vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen Notfalleingriff. Aber in diesem Fall kann man ja auch vorher nicht duschen, sich rasieren, die Nägel kürzen etc.


Aktuell fällt mir nicht mehr zu diesem Thema ein. Sobald dies jedoch der Fall sein sollte, werde ich die Punkte natürlich ergänzen. Zu der Nachsorge kann ich leider nicht viel sagen, denn ich bekomme diesen Teil leider nicht mit. Dafür müsste man dann den jeweiligen Arzt oder die Pflegekräfte auf Station ausquetschen.

Ich wünsche Euch einen schönen Abend!

Eure franzi 🙂

Nachhaltigkeit im OP

Beispiele für Plastik im OP - Einweglampengriffe und extra eingeschweißte Saugerbeuel. franzis-Blogstory.schreibnacht.de

Hallo Ihr Lieben,
vor einigen Wochen habe ich bereits auf meinem Instagram Account einen kurzen Beitrag zum Thema Plastik und Nachhaltigkeit im OP verfasst.
Heute möchte ich auf diese Thematik etwas genauer eingehen.

Ich selbst beschäftige mich noch nicht ganz so lange mit dem Thema Nachhaltigkeit. Erst durch die Bloggerin Louisa Dellert (unbezahlte Werbung!) bin ich diesbezüglich etwas aufmerksamer geworden. Ich würde jetzt nicht unbedingt behaupten, dass ich besonders verschwenderisch bin, aber es gab und gibt doch einen gewissen Optimierungsbedarf.

Eine Freundin von mir befasst sich auch schon deutlich länger mit der Nachhaltigkeit und Fair Trade – von Kleidung bis hin zum Smartphone. Letzteres hat mich damals schon nicht so wirklich überzeugen können, als sie mir davon erzählte und zugegebenermaßen hatte sie selbst auch nur Probleme damit. Daher rückte die Thematik für mich auch etwas weiter in die Ferne.

Nachhaltigkeit lässt sich zu Hause relativ leicht in kleinen Schritten umsetzen. Das fängt mit der Umstellung von Plastikdosen auf Glasdosen, die gleich mehrere Vorteile haben, schon an. Oder einfach Jutebeutel anstelle von Einkaufstüten aus Plastik verwenden.

Zitat aus dem Buch: Erfolgskonzepte Praxis- & Krankenhaus-Management (Springer Verlag)
Zitat aus dem Buch: Erfolgskonzepte Praxis- & Krankenhaus-Management (Springer Verlag 15.06.19 14:31h) https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-20362-6_56


Doch wie sieht es im Krankenhaus aus?

Schon immer hat mich die ganze Ansammlung an Müll im OP gestört. Eine richtige Mülltrennung gibt es meist nicht. Sie ist gerade im OP-Saal, besonders für den sterilen Dienst, schier unmöglich.

Vor allem bei größeren Operationen, wie beispielsweise bei einem Prothesenwechsel, häuft sich immer besonders viel Müll an: Die Prothesen und einzelnen Materialien sind meist doppelt und dreifach verpackt.

Üblicherweise muss ein Karton zunächst aus einer Folie heraus geholt und ein mal geöffnet werden. Dann hat man eine weitere Verpackung, die oftmals aus Plastik besteht. Entweder als eine Art “Schale” oder aber als eingeschweißte Variante. Diese wird ebenfalls geöffnet, diesmal jedoch so, dass der Instrumenteur den Inhalt steril entnehmen kann. Dieser Inhalt ist nun also steril am Tisch und ebenfalls 1-2 mal eingepackt bevor man das eigentliche Implantat in der Hand hält.

Wie Ihr also hier schon jetzt feststellen könnt, sind das ganz schön viele Verpackungen, die überwiegend von Plastik geprägt sind. Während eines Protheseneinbaus sammeln sich in unserem Krankenhaus drei bis vier große Säcke gefüllt mit jeder Menge Müll an.

Diesen Verpackungsmüll haben wir aber auch an anderen Baustellen im OP. So sind beispielsweise unsere Saugerbeutel, die bereits aus Plastik sind (was ich hier auch als sinnvoll empfinde), zusätzlich in einer Plastiktüte eingepackt. Diese Extratüte verstehe ich beispielsweise nicht. Diese Saugerbeutel sind günstiger als unsere vorherigen, aber häufen mehr Müll an. Denn die Marke, die wir bisher bei uns im OP hatten, hatte keine Extra-Tüte.

Generell gibt es im OP sehr viele Einmalmaterialien. Diese sind für das Krankenhaus einfach günstiger als Instrumente und die Wäsche zu waschen und zu steriliseren. Aber ist das wirklich wirtschaftlich? Ist das umweltfreundlich? Meiner Meinung: NEIN!

Vorbereitete Einmalmaterialien für eine OP. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Vorbereitete Einmalmaterialien für eine OP. franzis-Blogstory.schreibnacht.de


Einmalmaterialien

Im Krankenhaus findet man sehr viele Einmalmaterialien vor. Aus ökonomischer Sicht wurde schon vor einiger Zeit von Mehrweg auf Einweg umgestellt. Besonders wenn die Klinik einen privaten Träger hat, wird sehr stark auf die Verwendung von möglichst günstigen Materialien geachtet.

Ehemalige Kollegen während meiner Ausbildung haben eine solche Umstellung – also den Wechsel auf einen privaten Träger mitgemacht. Die Patienten auf der Station haben sich beispielswiese gewundert, weshalb es nur noch so “Papierlappen” anstelle von richtigen Waschlappen gab.

Einmalmaterialien sind jedoch nicht durchweg schlecht. Sie erfüllen auch einen hygienischen Auftrag, was einfach nicht mit der Nachhaltigkeit vereinbar ist. So würde ich bei mir selbst beispielsweise auch keinen Tubus verwenden wollen, der vorab schon mal bei jemand anderem verwendet wurde. Erst recht nicht wenn dieser andere Patient beispielsweise einen multiresistenten Keim hatte.

Die Instrumente und Materialien werden zwar hygienisch aufbereitet und sterilisiert, doch es kann sich einfach immer eine Fehlerquelle einschleichen. Besonders weil wir auch einfach nur Menschen sind, und Menschen machen leider auch mal Fehler.
Ich selbst habe sogar schon im OP-Set steril eingeschweißte Fliegen gehabt, weil die sich einfach in den jeweiligen Betrieb eingeschlichen hatten und leider zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Immerhin hatten sie einen keimfreien Tod.


Nachhaltigkeit im OP

Da ich vorhin bereits die Einweg- und Mehrwegmaterialien angesprochen habe, werde ich Euch nun eine kleine Gegenüberstellung erstellen und so die Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.

Vor kurzem hatten wir bei uns in der Klinik einen Protheseneinbau, wo die Implantate und die dazugehörigen Instrumente ausschließlich aus einem 3D-Drucker kamen. Das war für mich wirklich faszinierend und erstaunlich, weil die Technik einfach schon so weit ist. Vorteil eines 3D-Implantats: Es ist wirklich zu 100% passgenau – vorausgesetzt man hat vorher alles richtig ausgemessen und berechnet.

Nachteil: Diese 3D-Implantation hat unglaublich viel Müll produziert. Für mich war es beispielsweise unverständlich, zu sehen, dass die Instrumente auch aus dem “Drucker” gekommen sind. Warum konnte man das beispielsweise nicht kompatibel zu einem bestehenden System machen, sodass man sich den Aufwand und anschließenden Müll für die Instrumente hätte sparen können. Denn alles was extra für diese OP gedruckt wurde und nicht im Patienten verblieb, wurde mit dem Müll entsorgt. Das war für mich so ziemlich das schlimmste an dieser Operation!

Hier seht Ihr ein blaues Mehrwegtuch, sowie resterilisierbare Lampengriffe in der Mitte. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Hier seht Ihr ein blaues Mehrwegtuch, sowie resterilisierbare Lampengriffe in der Mitte. franzis-Blogstory.schreibnacht.de


Lampengriffe

Sie können sowohl aus Plastik für den Einmalgebrauch verwendet werden, aber auch als Mehrweg zum Sterilisieren. Die “Plastik-Verhüterlis”, wie ich sie gerne nenne, sind wahrscheinlich deutlich günstiger als die sterilisierbaren. Besonders wenn man die günstigste aller Varianten wählt. Doch sind diese auch gut?

Nein! Sie lassen sich meist nicht vollständig über die Griffe ziehen, und dies ist oftmals auch sehr schwergängig. Zudem sind sie meistens auch für mehrere Lampenmodelle konzipiert, was die Handhabung ebenfalls erschwert. Sollen sie Müll sparen, in dem die Verpackung einfach kleiner gehalten wird, dann sind sie ganz klein zusammen gerollt. Hier gibt es jedoch die Fehlerquelle, dass sie zu leicht aus der Hand rutschen.

Sterilisierbare Lampengriffe sind im Handling die deutlich bessere Variante und auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit viel besser für die Umwelt.


OP-Kittel/-Mäntel und Abdecktücher

Aus der Uniklinik, wo ich vor 3 Jahren meine Ausbildung erfolgreich absolviert habe, kenne ich sowohl das Konzept der Mehr- und Einwegkittel und -tücher. Was auch hier sicherlich für jeden klar ist. Mehrweg ist auch hier die preisintensivere Variante.

In den hauptsächlichen operativen Abteilungen hatte man ausschließlich Mehrwegkittel und auch wasch- sowie sterilisierbare Tücher, im Ambulanten OP hingegen Einwegmaterialien. Dazu muss man vielleicht noch erwähnen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine starke Verschmutzung durch Blut im ambulanten OP deutlich geringer ist als im Zentral-OP.

Denn ein sehr großer Nachteil der Einwegkittel ist folgender: trotz wasserabweisender Beschichtung sind diese Mäntel meistens nicht zu 100% dicht. Besonders blutigere Operationen, beispielsweise eine Hüftoperation oder auch eine Bauchoperation, halten diese Mäntel meistens nicht ganz aus.

Vor allem in der Unfallchirurgie müssen die Chirurgen mehr Kraft aufwenden und kommen dadurch zwangsläufig ins Schwitzen. Auch die Bewegungen stellen die Papierkittel immer ganz schon auf die Probe. So kommt es dann auch zwangsläufig dazu, dass die Kittel reißen oder der Schweiß des Chirurgen aus dem Ärmel tropft. Daher verbrauchen Unfallchirurgen auch je nach Operation gerne mal drei bis vier Mäntel. Die dann im Müll landen. Also doppelter Müll durch den alten Kittel und die Verpackung des neuen Kittels.

Die Mehrweg-Stoff-Kittel sind in meinen Augen auch hier die bessere Variante bezüglich der Nachhaltigkeit. Ich selbst empfinde auch das Tragegefühl als deutlich angenehmer, denn manch ein Papierkittel kratzt auch gerne mal. Ob die Stoffmäntel wärmer sind, kann ich nicht so ganz genau beantworten, da ich eine bekennende Frostbeule bin. Ich friere eigentlich immer und überall. Das wäre auch damals so ziemlich mein einziges Argument gegen die Ausbildung gewesen, aber jetzt schweife ich doch etwas zu sehr ab.

Die Mehrwegmäntel sind definitiv weniger anfällig für Risse. Ebenfalls sind sie relativ dicht – besonders im Vergleich zu den Einwegkitteln. Für besonders “nasse” Operationen, also blutig oder durch Wasser wie es bei einer Arthroskopie der Fall ist, gibt es jedoch auch hier noch mal extra verstärkte Varianten.

Gleiches gilt für die Ein- und Mehrwegtücher. Auch wenn die Einmaltücher eine wasserabweisende plastikartige Beschichtung haben, sind sie im direkten Vergleich mit den Stofftüchern der klare Verlierer. Auf den Mehrwegtüchern hat man beispielsweise richtig schöne Wasserperlen.

Beispiele für Plastik im OP - Einweglampengriffe und extra eingeschweißte Saugerbeuel. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Beispiele für Plastik im OP – Einweglampengriffe und extra eingeschweißte Saugerbeuel. franzis-Blogstory.schreibnacht.de


Pro und Contra von Ein- und Mehrwegmaterialien

Was wahrscheinlich jedem an dieser Stelle klar sein sollte: Einmalmaterialien produzieren Unmengen an Müll. Dafür sind sie jedoch sehr günstig für die Kliniken. Ebenfalls wird nicht viel Frischwasser für die Herstellung und Entsorgung benötigt.

Mehrwegartikel haben als großen Kostenpunkt die Aufbereitung. Denn für das Waschen und anschließende Sterilisieren wird viel Wasser benötigt. Zudem braucht man sicherlich auch mehr Personal für die Aufbereitung, weil die Maschinen einfach noch nicht so weit sind, dass sie die Materialien und Instrumente zusammenbauen, ölen, verpacken und einschweißen können. Personal ist immer teuer. Stichwort Pflegenotstand.

Dafür produzieren Mehrwegartikel aber deutlich weniger Müll. Ebenfalls können Textilien wie OP-Kittel später, wenn eine weitere Aufbereitung nicht mehr möglich ist, als Kohle einen weiteren Zweck erfüllen.

Viele Einmalmaterialien sind aufgrund der günstigen Herstellung und des günstigeren Materials einfach nicht so belastbar. Daher gehen diese einfach viel schneller kaputt. Die Folge davon ist, dass man beispielsweise anstatt einem Paar Handschuhe, drei oder vier Paar verwenden muss: Also entsteht deutlich mehr Müll, als wenn man direkt das teurere Produkt mit einer besseren Qualität verwendet hätte.

Nachhaltigkeit im OP: Instrumentier- und Beistelltische mit Einmal-Abdeckungen, die sehr viel Müll produzieren.
franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Instrumentier- und Beistelltische mit Einmalabdeckungen. franzis-Blogstory.schreibnacht.de


Wie kann ich zu einer Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen?

Nun wir selbst können den Klinikleitern leider nicht sagen, was sie in das Repertoire aufnehmen sollen und was nicht. Aber wir können zumindest beim Testen von neuen Materialien einen ehrlichen Bewertungsbogen ausfüllen und so zumindest unsere Meinung mitteilen.

Desweiteren ist ein bewussterer Umgang mit den ganzen Materialien sehr hilfreich und kann schon eine ganze Menge ausmachen. Wir hatten beispielsweise mal eine Schülerin, die dachte man müsste sich nach wirklich jeder OP umziehen. Das Jäckchen, welches man anziehen kann wenn einem zu kalt sein sollte, hatte sie ebenfalls jedes Mal nach dem Verlassen des Saals entsorgt. So fiel natürlich eine ganze Menge Müll an. Hier war der Fehler einfach eine falsche Aufklärung oder eben gar keine Aufklärung. Sie hatte natürlich keine bösen, sondern stets gute Absichten und wollte einfach sehr hygienisch arbeiten. Aber manchmal ist zu viel auch nicht das Beste.

Versucht weitestgehend den Müll zu trennen. Man kann im OP als Springer beispielsweise sehr gut Plastikflaschen und Kartons separat vom eigentlichen Müll entsorgen. Versucht systematisch vorzugehen. Wenn die Situation angespannt ist und es einfach schnell gehen muss, muss ich gestehen, dass ich da dann auch nicht unbedingt so darauf achte. Aber in diesem Fall würde auch der Patient zu Schaden kommen und da muss man sich in diesem Moment einfach für dieses einzelne Leben entscheiden.

Besonders am Anfang der OP kann man schon eine große Menge an Müll separieren! Während der OP ist es auch hilfreich, wenn Ihr vielleicht nicht alle 3 Mülleimer im Saal verwendet, sondern nur einen oder zwei. Natürlich nur wenn es die Größe der Operation zulässt. Bei einer kleineren OP kann man so nämlich auch schon viel Müll sparen. Denn selbst wenn in einem der Mülleimer nur ein verschmutztes Paar Handschuhe entsorgt wurde, so muss die 120-l-Mülltüte gewechselt werden. Und das obwohl sie noch nicht einmal ansatzweise voll ist.

Man ist gerne mal bequem, das kenne ich sowohl von mir als auch von meinen ärztlichen und nicht ärztlichen Kollegen. Da geht man dann gerne den kürzesten und einfachsten Weg. Aber wenn man die Nachhaltigkeit im OP und auch generell im Krankenhaus verbessern möchte, sollte man gewillt sein an seiner Einstellung zu arbeiten. Denn wir wollen doch alle etwas länger auf dieser Welt leben, oder nicht?


In diesem Sinne möchte ich diesen Artikel jetzt beenden, denn sonst wird er wahrscheinlich noch zu einem Roman ausarten. Falls Ihr noch weitere Infromationen von mir zum Thema Nachhaltigkeit haben möchtet und wie ich diese bei mir nach und nach versuche in den Alltag zu integrieren, könnt Ihr mir dies gerne schreiben.

Ich wünsche Euch einen schönen Start in die neue Woche!

Eure franzi