OTA – Arbeiten in der Ausbildung

Hallo Ihr Lieben!
Heute möchte ich Euch von der Zeit in meiner Ausbildung berichten – sprich wie es war als Auszubildende zu arbeiten, wie ich mich dabei gefühlt habe usw.

Das erste Lehrjahr:

Das erste Lehrjahr war für mich eine große Umstellung, man ist es von der Schule her gewohnt gemütlich aufzustehen, und wenn man mal zu spät kommt, war es nicht allzu schlimm. Auch sonst hat sich der Tag recht entspannt gestaltet. Natürlich hatte man auch stressigere Tage aber im Großen und Ganzen war es doch ganz gemütlich. Mit dem Beginn meiner Ausbildung änderte sich dies schlagartig, was aber sicherlich auch für andere Lehrberufe gilt.

Einige ziehen extra für die Ausbildung um wie es zB. auch bei mir der Fall war. Also hieß es: Auf Wiedersehen Hotel Mama und Papa 🙁
In Eurer Ausbildungsklasse seid Ihr aber nicht ganz alleine mit dieser Situation, denn ca. 15-25 Klassenkameraden durchleben gerade das Gleiche. Da besonders zu Beginn schon das Verhältnis zueinander verstärkt werden soll, verbringt Ihr die ersten sechs Wochen zusammen in der Schule. So war es zumindest bei mir. In diesen sechs Wochen bereitet man Euch aber auch schon auf den Alltag im OP vor, indem man viel Theoretisches dazu vermittelt bekommt.

An Eurem ersten Tag im praktischen Einsatz werdet Ihr noch vorsichtig überall herum geführt – ähnlich wie bei einem Praktikum, welches übrigens jeder vorher absolviert haben sollte, der sich für diesen Ausbildungsberuf interessiert.
Woran Ihr Euch aber auch generell erst mal gewöhnen müsst, ist der neue Alltag. Ihr arbeitet von nun an ca. 9 Stunden (mit Pause), kommt anschließend nach Hause und müsst Euch um Euren Haushalt kümmern. Nicht zu vergessen: Natürlich müsst Ihr nebenbei auch noch für die Theorie lernen. Dies summiert sich vor allem im zweiten und dritten Ausbildungsjahr.

(copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de und instagram.com/x3franzii)

Natürlich packt Ihr auch schon etwas mit an, aber spätestens ab dem zweiten Tag werdet Ihr voll und ganz integriert. Bei meiner Ausbildung war es so, dass man das erste Ausbildungsjahr – während der sechswöchigen Praxisphase – komplett als Springer (also in verschiedenen Bereichen) gearbeitet hat. Gegen Ende des ersten Jahres werdet Ihr aber auch schon bei kleinen OPs mal an den Tisch gestellt wie z.B. Abszessspaltungen (yummy…).

Ich persönlich finde diese Herangehensweise gar nicht schlecht. Natürlich denkt Ihr Euch “ich will endlich mal an den Tisch und richtig mit den Ärzten mitarbeiten” aber ein Instrumentierender ist nur so gut wie sein Springer. Das bedeutet, wenn Ihr unaufmerksam seid, nicht wisst was man für eine bestimmte OP benötigt und, wo Ihr was für bestimmte potentielle Situationen heran holen könnt, ist der Instrumentierende total aufgeschmissen und kann eigentlich gar nichts machen. Das Arbeiten zwischen dem Instrumentierenden und dem Springer sollte quasi ohne Worte funktionieren können.

Meiner Meinung nach sollte man, bevor man zum ersten mal an den Tisch geht, die notwendigen anatomischen Kenntnisse für die jeweilige OP wissen, da man sonst im Prinzip gar nicht weiß was da gerade gemacht wird und man daher im Notfall auch nicht richtig reagieren kann. In der Klinik in der ich derzeit arbeite ist dies beispielsweise der Fall. Viele von unseren Schülern durften schon nach kurzer Zeit mit als Sterile arbeiten, vor allem zu Beginn des ersten Lehrjahres empfinde ich dies als zu früh. Allerdings muss man auch immer wieder von Schüler zu Schüler differenzieren, da nicht jeder den gleichen Lernstand hat aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen und Einsätze.

Das zweite Lehrjahr:

Im zweiten Lehrjahr habt Ihr nicht nur Eure erste Zwischenprüfung, die bei mir als “Springerprüfung” stattgefunden hat, sonder Ihr werdet so langsam an das Arbeiten als Sterile gewöhnt. In meiner Zwischenprüfung, ganz zu Beginn des zweiten Jahres, wollte man den ganz normalen Ablauf des unsterilen Dienstes vor, während und nach der OP beurteilen. Vor der OP bedeutet natürlich: Materialien vorbereiten, im Idealfall den Patienten in der Schleuse umbetten, Steriles öffnen und Anreichen der benötigten Materialien an Euren Instrumenteur sowie die richtige Lagerung etc.

Intraoperativ wird natürlich Eure Aufmerksamkeit geprüft und ebenfalls das sterile Arbeiten sowie die Dokumentation. Nach der OP wird dann beurteilt, ob Ihr z.B. beim Verband in der Unfallchirurgie assistiert und wie Ihr die jeweiligen Materialien entsorgt. Was Ihr in dieser Phase nie vergessen solltet und Euch auch generell einprägen müsst: Der Patient hat immer Vorrang! Sobald die Abdeckung z.B. ab ist, solltet Ihr dafür sorgen, dass dieser schnellstmöglich zugedeckt wird und die Lagerung aufgehoben wird.

Zu Beginn werdet Ihr, wenn Ihr Glück habt, immer mit einem erfahrenen Kollegen an den Instrumentiertisch gestellt und lernt so welche Instrumente Ihr genau für welche OP benötigt, wo Ihr was hinlegt – sprich wie der Standard bei Euch im Haus aussieht. Bei mir und einigen Klassenkameraden war es leider nicht so, dass wir zu dritt im Saal eingeteilt waren und sich deshalb jemand mit uns einwaschen konnte. Es war viel “learning by doing”. Dies ist natürlich keine schöne Variante und es war auch nicht immer so bei mir während der Ausbildung. Doch gerade bei den ersten neuen Operationen empfinde ich es als wichtig, dass jemand Erfahrendes im Notfall direkt eingreifen kann.

Später wenn sich die Operationen ähneln, weil es im Prinzip das Gleiche ist, nur eben wegen den verschiedenen Abteilungen anders gemacht wird – z.B. eine Wirbelsäulenstabilisierung in der Neurochirurgie oder in der Unfallchirurgie – reicht es vollkommen aus, wenn sich der erfahrene Kollege im Notfall schnell einwäscht.
Am Ende des zweiten Lehrjahres werdet Ihr natürlich auch noch mal eine Zwischenprüfung absolvieren. Dieses Mal findet diese aber zur Vorbereitung auf Euren Abschluss als schriftliche und mündliche Prüfung statt.

(copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de und instagram.com/x3franzii)

Das dritte und letzte Lehrjahr:

Wie Ihr merken werdet, vergeht die Zeit in der Ausbildung wie im Flug. Kaum habt Ihr mit der Ausbildung angefangen, seid Ihr auch schon für die bevorstehende Abschlussprüfung fleißig am lernen, zumindest kam es mir so vor. Ich habe mir für jeden schriftlichen Test, den ich während der drei Jahre geschrieben habe, Lernzettel gemacht, die ich mit den jeweiligen Arbeiten aufgehoben habe, um so für die Abschlussprüfung zu lernen. Dies hat es mir auch deutlich erleichtert, da ich mir z.B. nicht mehr alles neu zusammenschreiben musste. Also werft am besten nicht direkt alles weg, wenn der Test bestanden wurde 😛

Im letzten Lehrjahr solltet Ihr die Zeit nur noch als steriler Dienst am Tisch verbringen. Vor allem solltet Ihr besonders im letzten halben Jahr der Ausbildung nur noch in der Abteilung eingesetzt werden, in der Ihr letztendlich auch die Prüfung machen möchtet.
Sobald Ihr den Termin für Eure praktische Prüfung wisst und Ihr natürlich auch eine OP habt, die Ihr gerne instrumentieren würdet, solltet Ihr Euch einen Chirurgen aussuchen, mit dem Ihr Eure Prüfung absolvieren möchtet.

Der Oberarzt mit dem ich meine Abschlussprüfung hatte, war wirklich sehr engagiert. Er hat sich sofort darum gekümmert, dass an meinem Prüfungstag genug Patienten einbestellt werden bei denen meine Wunsch-OP gemacht wird. Ich hatte mir im Bereich Endoprothetik eine Hüfttotalendoprothesenoperation herausgesucht, da diese am Standardisiertesten war und ich mich dabei und auch in diesem Team sehr wohl gefühlt habe.

Achtet also bei der Wahl der Prüfungsoperation nicht nur auf die Art der OP, sondern auch mit wem Ihr diese macht. Ich konnte mir weit im Voraus eine Kollegin wünschen, mit der ich meine Prüfung absolviere und mit der ich den genauen Ablauf auch schon öfter in der jeweiligen Konstellation üben konnte. Dies gibt Euch noch eine zusätzliche Sicherheit und hilft natürlich auch die aktuelle Situation zu vergessen, sodass Ihr nicht mehr so aufgeregt und nervös seid.

Nach den Prüfungen arbeitet Ihr noch ca. 1,5 Monate, wobei viele aus meiner Klasse aber einfach den restlichen oder gar den ganzen Urlaub in dieser Zeit eingeplant haben. Am Tag Eurer Zeugnisvergabe erfahrt Ihr leider auch erst ob und wie Ihr Eure ganzen Prüfungen bestanden habt. Natürlich geben die Prüfer Euch schon Hinweise, ob es zum Bestehen gereicht hat oder nicht, denn so ganz ohne Vorahnung wollen sie einen auch nicht lassen – es wäre auch wirklich gemein wenn dem so wäre.

Das waren meine Erfahrungen grob zusammen gefasst. Wenn Ihr noch genauere Fragen habt, schreibt diese doch einfach in die Kommentare und ich werde Euch natürlich schnellstmöglich antworten 😉

Liebste Grüße!

Eure franzi 🙂

Operationstechnische Assistenz – mein Beruf

 (copyright by https://ota-franzi.de)

Hallo Ihr Lieben!

Heute kommt mal ein ganz anderer Post, und zwar möchte ich eine neue Rubrik auf meinem Blog eröffnen:
Auf meinem YouTube Kanal (jetzt franzis Stories) habe ich letztes Jahr ein Video zu meiner Ausbildung hochgeladen. Da jetzt aber immer noch viele Fragen gestellt werden und es einfach auch noch viele gibt, die meinen Beruf gar nicht kennen oder sich auch einfach nicht vorstellen können was man da macht und was man erlebt, werde ich Euch ab jetzt unter dieser Rubrik immer etwas Neues berichten oder Fragen beantworten.

(https://www.youtube.com/channel/UC0lOjYoSzf_9BPNiFuA92Aw)

Was bedeutet OTA?

Diese Abkürzung bedeutet ausgeschrieben Operationstechnische Assistenz und ist im Prinzip das Gleiche wie die OP-Schwester, aber eben nicht das Selbe 😛
Die Ausbildung einer OP-Schwester dauert mit 7 Jahren deutlich länger als meine, wir haben aber ähnliche Aufgaben wie z.B. Assistieren bei Operationen, Bereitstellen der benötigten Materialien und Geräte für Operationen, Betreuen der Patienten vor, während und zum Teil auch nach der OP.

Die Ausbildung

Die Ausbildung dauert 3 Jahre und ist überwiegend praxisorientiert. Sie umfasst ca. 3000 Praxisstunden und 1600 Theoriestunden – unterteilt in 4 Lernbereiche.
Im Rahmen der Ausbildung bekommt Ihr Einblicke in alle Fachabteilungen, sowie Funktionsbereiche wie z.B. die Endoskopie, Zentralsterilisation oder auch die Notfallaufnahme. In diesen Abteilungen könnt Ihr – falls Ihr Euch doch gegen den OP entscheiden solltet – auch nach der Ausbildung arbeiten.

Je nachdem, wo Ihr angestellt seid – sprich ob es an einer privaten Schule oder von einer Klinik aus ist – bekommt Ihr auch ein Gehalt, das an das Gehalt der Auszubildenden für die Gesundheits- und Krankenpflege angelehnt ist. Im dritten Lehrjahr sind dies schon knapp über 1000 €.

Während der Ausbildung finden zwei Zwischenprüfungen statt – eine davon ist eine praktische Prüfung, die zweite ist eine schriftliche als Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen (zumindest war es bei mir so). Die Abschlussprüfung setzt sich aus schriftlicher, praktischer und mündlicher Prüfung zusammen, wobei alle Lernbereiche abgefragt werden.

(copyright by franzis-blogstory.schreibnacht.de und instagram.com/x3franzii)

 Voraussetzungen für die Ausbildung  Operationstechnische Assistenz

– vollendetes 17. idealerweise 18. Lebensjahr
– Realschulabschluss, Abitur oder Hauptschulabschluss mit idealerweise einer vorab erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung im medizinischen Bereich. In anderen Bereichen ist dies aber auch möglich, nur sollte die Ausbildung mindestens 2 Jahre betragen.
– gesundheitliche Eignung; hierfür benötigt Ihr als ein Attest vom Arzt
– ideal wäre es, wenn Ihr vorab ein mindestens zweiwöchiges Praktikum im OP absolviert habt; das möchten auch viele Ausbilder als Voraussetzung vorliegen haben
– viele Kliniken möchten auch ein reines polizeiliches Führungszeugnis vorliegen haben
– natürlich solltet Ihr Blut sehen können und die persönliche Distanz zwischen Beruf und Privatleben wahren können

Bewerbungsverfahren

Eure Bewerbungsmappe sollte natürlich ein Bewerbungsschreiben und einen vollständigen Lebenslauf mit Lichtbild enthalten sowie das Schulabgangszeugnis. Praktika-Nachweise wären auch von Vorteil sowie das Allgemeinärztliche Attest zur gesundheitlichen Eignung und ggf. auch ein polizeiliches Führungszeugnis; das steht aber direkt auf den Seiten der Kliniken und Schulen, wo Ihr Euch bewerben möchtet.

Im Bewerbungsgespräch werden gerne Fragen zu der Ausbildung gestellt und auch gebräuchliche Begriffe wie z.B. Springer/ Instrumentierender, steriler/ unsteriler Dienst usw. gefragt. Wenn Ihr zu einem Assessmentcenter eingeladen werden gibt es natürlich auch Multiple Choice Tests mit Fragen zu Allgemeinbildung (also auch Mathe usw.) oder Ihr führt Diskussionen oder arbeitet in einer Gruppe etwas gemeinsam aus – so soll z.B. die Teamfähigkeit geprüft werden.
Im Bewerbungsgespräch solltet Ihr Euch am besten immer Notizen machen oder gar vorab Fragen notieren – Fragen zum Gehalt sind natürlich erlaubt, aber eher unangebracht, da Ihr meist vorab schon herausfinden werdet, ob die Ausbildung vergütet wird oder nicht. Zudem könnt Ihr das Gehalt Dank des WWW leicht herausfinden 😉

Weiterbildungsmöglichkeiten

Wie in fast allen Ausbildungen könnt Ihr Euch auch als OTA später weiterbilden. So könnt Ihr z.B. eine Weiterbildung zur “CTA – ChirurgischTechnischerAssistent/in” machen, wo Ihr z.B. mehr Kontakt zum Patienten haben werdet und auch mehr ärztliche Aufgaben ausführen dürft wie z.B. im OP direkte Assistenz oder auf Station die Durchführung der Anamnese uvm.
Zur “ATA – AnästhesieTechnischerAssistent/in” könnt Ihr Euch auch weiterbilden und Aufgaben eines Anästhesiepflegers übernehmen wie z.B. Arbeiten auf Intensivstationen, Vorbereitung des Patienten für die Narkose und die dafür benötigten Materialien uvm.
-Ihr könnt nach der Ausbildung auch studieren z.B. Medizinpädagogik, Gesundheitsmanagement, -ökonomie, Bachelor of Science in Physican Assistant, diejenigen, die Abitur haben, können natürlich auch noch ein Medizinstudium dran hängen 😉
Weiteres über die Operationstechnische Assistenz, also wie das Arbeiten in und nach der Ausbildung ist, werde ich Euch in einem weiteren Post berichten. Bis dahin könnt Ihr mir auch gerne weitere Fragen stellen!

Ich wünsche Euch einen schönen Abend und für diejenigen, die sich nun das YouTube Video zu meiner Ausbildung angucken möchten, ist dieses im Anschluss eingefügt.

Liebste Grüße, Eure franzi 🙂