Operationstechnische Assistenz – medizinische Ausbildung, Verkürzung, Kinder

Im letzten Beitrag habe ich bereits die häufigsten Fragen rund um das Thema Gehalt oder auch den Urlaubsanspruch angesprochen. Heute möchte ich auf die Rubrik bereits absolvierte medizinische Ausbildung, Ausbildungsverkürzung und Ausbildung mit Kind eingehen.

Eine weitere häufig gestellte Frage ist die nach medizinischen Vorkenntnissen. Sprich, jemand hat bereits eine medizinische Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegekraft, Physiotherapeut, MTA etc. bereits erfolgreich abgeschlossen und möchte wissen, ob diese sich positiv auf die Bewerbung und auch später während der Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz auswirkt.

 

Bereits absolvierte medizinische Ausbildung vorher sinnvoll?

Jede medizinische Ausbildung, die man vorab schon erfolgreich absolviert hat, ist sinnvoll. Selbst wenn eine Ausbildung vorab nichts mit der Medizin zu tun haben sollte ist sie nicht umsonst gewesen. Denn allein durch die Erfahrung, schon mal mehrere Jahre im Berufsleben gestanden zu haben, hat man denjenigen, die frisch von der Schule kommen, bereits Einiges voraus. Auch weiß man allein bei der Bewerbung und dem Vorstellungsgespräch eher, worauf es ankommt und wie man sich idealerweise verkauft, um den begehrten Platz zu bekommen. Erfahrungen sind immer gut und man kann nie genug sammeln, wie mein Vater jetzt an dieser Stelle sagen würde.

Es gibt einige Vorteile einer bereits absolvierten medizinischen Ausbildung, bevor man die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz beginnt. So hat man beispielsweise schon viele medizinische Fachbegriffe kennenlernen können oder auch hinsichtlich der Anatomie einen Vorteil gegenüber den „Erstbewerbern“. Vielleicht hat man ja in seinem bereits erlernten Beruf auch schon Einblicke in die OP-Welt sammeln können? Dann sind auch die Verhaltensregeln bereits geläufig und auch die hygienische Arbeitsweise beherrscht man im Idealfall schon.

 

Mit medizinischer Ausbildung verkürzen

Ja, auch das ist einer der vielen Vorteile, wenn man bereits erfolgreich eine medizinische Ausbildung absolviert hat. Ihr lest richtig! Denn es gibt die Möglichkeit, die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz zu verkürzen. So kann man beispielsweise als examinierte/r MFA oder GuK ein halbes Jahr später einsteigen. Damit ist gemeint, dass sich bereits ein OTA-Kurs seit einem halben Jahr in der Ausbildung befindet und man erst dann dazustößt.

Zu empfehlen ist diese Variante jedoch nicht. Besonders dann nicht, wenn man vorab gar keine Erfahrung hinsichtlich der OP-Welt sammeln konnte. Auch habe ich Rückmeldungen von Pflegekräften oder auch MFAs diesbezüglich erhalten, die ein Verkürzen ebenfalls nicht empfehlen würden. Die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz umfasst sehr viel Wissen, was nicht zwangsläufig in anderen Ausbildungen bereits vermittelt werden kann. Steigt man verspätet ein, so fehlt einem bereits sehr viel von diesem benötigten Wissen, weil es einfach komplett unterschiedliche Berufe sind.

 

Doctor playfully checking the heart beat of a teddy bear Free Photo
Quelle: https://www.freepik.com/free-photo/doctor-playfully-checking-heart-beat-teddy-bear_3469658.htm#page=1&query=pediatric&position=27

Ausbildung mit Kindern, sowie erwachsenerem Alter

Diese Frage knüpft sehr gut an die vorherige an. Eine Ausbildung in einem höheren Alter stellt im Normalfall kein Problem dar. So habe ich beispielsweise aktuell eine OTA-Schülerin, deren Tochter älter ist als ich. Ich denke, das sagt schon mal einiges zum Alter. Wie auch bei der bereits absolvierten Ausbildung haben ältere Bewerber den großen Vorteil, bereits viel Lebenserfahrung gesammelt zu haben.

So sind „ältere“ Auszubildende in der Regel etwas reflektierter und nicht so übereifrig und unvorsichtig. Sie hinterfragen eher etwas und nehmen nicht alles einfach so hin, wie man es ihnen gerade sagt. So sind zumindest meine Erfahrungen. Natürlich ist es für mich als „Jüngere“ irgendwo eine komische Situation, wenn ich einen älteren Auszubildenden möglicherweise auch mal zurechtweisen muss. Selbstverständlich immer auf höflicher und professioneller Basis. Aber man hat einfach auch immer im Hinterkopf, dass der Gegenüber älter ist und man da mehr Respekt haben muss. Weil man es immer so beigebracht bekommen hat.

Ein weiteres „Hindernis“ bei älteren Bewerbern ist das langsamere Lernverhalten. Besonders was die Theorie betrifft, haben junge Auszubildende, die gerade erst die Schule abgeschlossen haben, einen Vorteil. Denn diese sind noch in der Lernroutine drin. Aber das ist etwas, das man mit etwas mehr Arbeit kinderleicht lösen kann. Ich sag sowieso immer: „Wenn man den Beruf unbedingt erlernen möchte, dann schafft man es auch“.

Gleiches gilt übrigens auch für die Ausbildung als Elternteil. Es steckt viel Organisationstalent dahinter! So hat man im Idealfall eine Betreuung für die Kinder oder kann sich mit seinem Partner individuell abstimmen. In einigen Kliniken gibt es sogar eigene Kindertagesstätten für Mitarbeiter. Je nach Größe der Klinik haben diese Kitas auch durchgehend geöffnet, damit die Eltern auch ihren normalen Schichtdiensten nachgehen könnten.

Mit den Schulen und Kliniken kann man in der Regel aber auch immer reden. So beispielsweise auch, was den Dienstplan anbelangt. In der Ausbildung ist die Teilnahme an Nacht- oder Bereitschaftsdiensten aktuell noch nicht einheitlich vorgeschrieben. Hat man einen Ausbilder erwischt, der dies trotzdem mit einbindet, so kann man meist mit der Leitung sprechen und diese Dienstübernahmen überwiegend umgehen.

Für jedes Problem findet sich immer irgendwie eine Lösung!

 

Außeneinsätze in der OTA Ausbildung

Im Rahmen der dreijährigen OTA-Ausbildung durchläuft man viele Fachbereiche. Darunter auch Fachbereiche, die nicht in erster Linie mit dem OP zu tun haben. Diese nennen wir in der Ausbildung „Außeneinsatz“. Zu diesen Außeneinsätzen zählen ein mindestens dreiwöchiges Praktikum auf einer Station – im Idealfall ist dies eine chirurgische Station, damit man auch den Umgang mit Patienten und deren Versorgung nach der Operation kennenlernt.

Dann gibt es noch ein ca. sechswöchiges Praktikum in der Ambulanz oder Notaufnahme (ZNA). Hier lernt man den Weg in die Klinik und letztlich auch in den OP kennen. Für mich war dies der interessanteste Außeneinsatz. Nicht nur weil man mit Erschrecken feststellen musste, mit welchen Bagatellen manch ein „Patient“ wirklich in eine NOTAUFNAHME geht. Beispielsweise wegen eines Pickels. Ja, das gab es wirklich. Aber auch die richtigen Notfälle und Schockräume waren interessant und für einen ordentlichen Rundumblick definitiv wertvoll. Mir hat an dieser Stelle jedoch ein zusätzlicher Einsatz beim Rettungsdienst gefehlt, damit sich der Kreis einfach auch schließt.

 

Patient Mit Iv Line
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/patient-mit-iv-line-3845126/

Ein ähnlicher Außeneinsatz ebenfalls für ungefähr sechs Wochen findet in der Anästhesie statt. Hier lernt man tatsächlich kennen, dass die Kollegen von der Anästhesie nicht nur Kaffee oder Tee trinken und rund um die Uhr Pause machen. Denn was wir als OP-Pflegekraft nicht mitbekommen, findet hinter den Kulissen statt. Allein die Vorbereitung der Medikamente und die Verabreichung von eben diesen ist nicht so einfach, wie es aussieht. Besonders, wenn man die genaue Dosierung und Zusammensetzung erst mal berechnen muss. Also für mich ist dies auch ein wichtiger und relevanter Außeneinsatz – besonders weil man auch lernt Zugänge zu legen (das lernt man im Übrigen auch in der ZNA) und den Alarm am richtigen Knopf auszustellen. Letzteres ist natürlich eher zweitrangig 😉

 

Weitere Außeneinsätze, die mir weniger Spaß bereitet haben

Einer der Außeneinsätze, die ich persönlich eher weniger wichtig fand, war der drei- beziehungsweise bei mir vierwöchige Einsatz in der Zentralsterilisation. Man muss dazu sagen: natürlich ist es wichtig zu wissen, wie der Ablauf ist, wenn wir unsere verschmutzen Instrumente entsorgen. Aber glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass man das auch binnen ein bis maximal zwei Wochen lernen kann. Der Steri gleicht einer Fließbandarbeit: Instrumente öffnen, waschen, kontrollieren/ölen, einräumen und sterilisieren.

Die Endoskopie. Was hab‘ ich sie geliebt – nicht. Dadurch, dass wir als OTAs auch in der Endoskopie arbeiten dürfen, müssen wir diese im Rahmen der Ausbildung auch kennenlernen. Mein Einsatz hat auch hier knapp vier Wochen gedauert (meine ich zumindest). Auch das war für mich eher weniger abwechslungsreich, da es vom Prinzip her immer gleich ist. Eine Kamera wird in eine Körperöffnung eingeführt und dann folgen die jeweiligen therapeutischen Maßnahmen. Es gibt übrigens auch echte endoskopische Notfälle, beispielsweise wenn man etwas verschluckt oder eine diffuse Blutung hat und nicht direkt eine Laparotomie (großer Bauchschnitt) machen möchte. Das fand ich wiederum sehr spannend. Aber die rein diagnostischen endoskopischen Eingriffe eher weniger.

Die Zahlen, beziehungsweise die Dauer der Außeneinsätze basieren ausschließlich auf meinen Erfahrungen. Also den Zeiträumen, die bei mir so stattgefunden haben. Bei manchen kann es durchaus sein, dass der eine Einsatz länger oder kürzer ausfällt. Das liegt aber unter anderem auch daran, dass es momentan noch keine einheitlichen Richtlinien dazu gibt.

 

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag die restlichen Fragen aufklären, falls nicht und Ihr die Antworten auch noch nicht in anderen Artikeln gefunden haben solltet, könnt Ihr mir die offenen Fragen selbstverständlich jederzeit stellen.

 

Ich wünsche Euch noch einen schönen restlichen Sonntag!

Eure franzi 😊

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