OTA Ausbildung als Mama

Hallo Ihr Lieben,

ich möchte auf meinem Blog eine neue Rubrik eröffnen, mit dem Thema “OTA Ausbildung als Mama”. In regelmäßigen Abständen erhalte ich immer wieder die Frage, ob eine OTA Ausbildung als Mama überhaupt realisierbar ist. Ich selbst hatte in meinem Ausbildungsjahrgang zwei Mütter, wovon eine die Ausbildung ganz normal abgeschlossen hat und die zweite sich nach einem Jahr doch für einen anderen medizinischen Beruf entschied. Möglich ist es also durchaus!

Das möchte Euch die liebe Lou zeigen. Denn in meiner Rubrik OTA Ausbildung als Mama wird sie von ihren persönlichen Erfahrungen als zweifach Mama berichten. Im April diesen Jahres soll es schon losgehen, doch wie es überhaupt dazu kam und wer Lou genau ist, das berichtet sie Euch im folgenden Beitrag am besten selbst.

 

Lou

Hallo liebe Medizin Gemeinde. Mein Name ist Lou (27 Jahre alt) und ich bin Mama von zwei Mädchen (2 Jahre und 10 Monate). Ich lebe auf einem Dorf in der Nähe von Hamburg. Seit 10 Jahren bin ich gelernte Zahnmedizinische Fachangestellte.

Mein Herz schlug schon seit meinem 1. Lehrjahr für den OP. Nun werde ich den Weg einer neuen Ausbildung als Operationstechnische Assistentin wagen. Vor kurzem bin ich auf das Instagram Profil von OTA Franzi aufmerksam geworden. Nach ihrem Aufruf für Unterstützung bei den Beiträgen dieses Blogs dachte ich mir, dass mein besonderer Weg sicherlich auch für den ein oder anderen Quereinsteiger und eben nicht als junger Mensch interessant sein kann.

Ich berichte Euch meine kleine Geschichte in vollen Zügen, wie es überhaupt zu meiner beruflichen Umorientierung kam, den Bewerbungsprozess, das OP-Praktikum und einfach alles, was ich während meiner Ausbildungszeit so erleben werde. Es wird also eine Art persönlicher Blog bzw. Kolumne werden.

 

Dentists choose equipment on the table.

 

Warum ich die OTA Ausbildung als Mama jetzt machen werde?

Meine Liebe zum OP gewann ich tatsächlich in meinem ersten Ausbildungsjahr zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Ich lernte in einer kieferorthopädischen Praxis. Da gibt es Kombinationstherapien die kieferorthopädisch/chirurgisch behandelt werden. Zu solch einem Fall durfte ich mit in den OP nach Hamburg Wandsbek. Zur Erklärung: bei diesem Eingriff, werden die Kiefer „gebrochen“ und „richtig“ wieder zusammengesetzt.

Als die Assistenzärztin sagte „jetzt kommt die Schweinezange“, mit einem Ausdruck in der Stimme, in der sie sich einen kleinen Spaß mit einem Gast im OP erlaubte, war ich deutlich verwirrt und wusste natürlich nicht was passieren wird. Der Chirurg setzt die Zange am Oberkiefer an und mit einem festen Ruck, lag der komplette Oberkiefer auf dem Unterkiefer drauf.

In diesem Moment hätte ich sehr gerne mein Gesicht gesehen, ich glaube meine Augen sind fast herausgefallen. Ich hatte eine Explosion an Gefühlen: von geschockt bis hin zu „können wir das nochmal wiederholen“ war alles dabei. Das war der Moment in dem ich mein Herz an den OP verloren habe.

In meiner derzeitigen Praxis werden auch längere Eingriffe vorgenommen (bis zu 6-8 Std.) und auch da gucke ich in jeder freien Minute zu. Einige meiner Freundin sind OTAs – die habe ich dann natürlich auch immer zum OP ausgequetscht und immer um deren Beruf beneidet. Ihr merkt also: mein Herz schlägt für den OP!

 

So kam es zu meiner Entscheidung

Anfang März 2020 wurde ich aufgrund meiner ersten Schwangerschaft und Corona in das Beschäftigungsverbot geschickt. Im Juli kam unsere erste Tochter zur Welt. Im Mai 2021 war ich wieder schwanger mit unserer zweiten Tochter. Mir ist bewusst, dass es ein kurzer Abstand zwischen den beiden Schwangerschaften ist, dennoch haben wir das für uns bewusst so entschieden. Die zweite Schwangerschaft war auch sehr anstrengend. Zu Beginn hatte ich viele Termine bei meiner Hebamme, aufgrund der Übelkeit etc. Irgendwann sagte ich zu ihr beim verlassen der Praxis: „Oh der Hebammen Mangel ist wirklich doll, man hört es ja in jeder Ecke“. Sie sagte dann zu mir: „Werd doch Hebamme“, ich lachte und ging nach Hause.

Mein Mann, meine Tochter und ich sind in den Urlaub gefahren. Mir blieb dieser Satz so sehr im Kopf, aber ich dachte, nein ich möchte keine Hebamme werden. Ich möchte in den OP.

So kam alles ins Laufen. Zuerst sprach ich mit meinem Mann darüber und dachte er wird mir gleich sagen, dass ich bekloppt bin. Doch da sollte ich falsch liegen, denn so kam es nicht. Er sagte “ja das klingt doch gut, mach das doch.”

Zunächst habe ich mich jedoch dagegen gesträubt. Meine Gedanken kreisten um unsere Kinder: “wie soll ich das mit zwei Kindern hinbekommen?” Noch mal eine Ausbildung, so viel Stress und viel lernen. Zweifel über Zweifel überkamen mich. Den Gedanken hatte ich wieder und wieder verworfen. Gänzlich vergessen konnte ich diesen Neuanfang jedoch auch nicht.

 

Die Recherche über meine Möglichkeiten die OTA Ausbildung als Mama zu absolvieren

Bevor man sich bewirbt, sollte man sich natürlich auch ausgiebig über alle Möglichkeiten informieren. Eventuell ist es auch gar nicht möglich ohne Einschränkungen die OTA Ausbildung als Mama zu absolvieren. So fing ich an wie wie wild zu googeln, und schrieb mir jede Frage, die mir in den Sinn kam auf:

  • Kann man die Ausbildung in Teilzeit machen?
  • Wie ist die Ausbildungsvergütung?
  • Wann ist Ausbildungsstart?
  • Schichtdienst?
  • Komme ich mit ggf mit dem Tod zurecht?
  • Schaffe ich das alles zu lernen?
  • Wo ist die Berufsschule? / Blockunterricht?
  • Wie ist der Ausbildungsablauf?

 

Side view of pregnant woman at home working on laptop

 

Für mich war direkt klar, es kommt nur ein Klinikum in Frage. Sollte es da nicht klappen, mache ich es gar nicht.

Viele Fragen kann man schon sehr gut dank des Internets in Erfahrung bringen. Zur Frage ob man die Ausbildung in Teilzeit machen könnte, fand ich jedoch keine Antworten. Zu meinem Glück ist die Mutter von meiner Freundin die OP-Leitung genau in meinem Wunschklinikum. Wir kennen uns auch schon eine Weile, deswegen war ein Treffen überhaupt kein Problem.

Leider konnte auch sie mir die Frage ob auch eine Ausbildung in Teillzeit möglich ist, nicht beantworten. Dies müsste man mit der jeweiligen Berufsschule abklären. Immer noch Ungewissheit. Eine Ausbildung in Vollzeit war für mich definitiv keine Option, da ich nicht möchte, dass meine Kinder bis 17 Uhr betreut werden müssen. Das ist meine persönliche Einstellung zum Thema “Arbeiten als Mama” und soll selbstverständlich andere Elternteile nicht diskriminieren, für die eine solche Dauer durchaus infrage kommt!

Dadurch, dass die Ausbildungsvergütung meinem derzeitigen Elterngeld ähnelt, ist dies zumindest kein Ausschlusskriterium für mich und meinen Mann gewesen. Lediglich die Sache mit der Ausbildungsdauer.

In meiner favorisierten Klinik ist der Ausbildungsablauf so, dass im ersten Lehrjahr überwiegend mitgelaufen wird, im 2. Lehrjahr findet die Einarbeitung als Springer statt und im 3. Lehrjahr wird man als instrumentierende eingearbeitet. Die Auszubildenden haben noch einen besonderen Schutz und dürfen während der Ausbildungszeit nur Frühdienste absolvieren. Also kein Wochenenddienst oder Feiertage. Innerlich bin ich einfach nur gehüpft – das klingt doch alles einfach perfekt!

Hier in unserem Umkreis gibt es zwei OTA/ATA Schulen, die mit der Klinik kooperieren. Der Ausbildungsbeginn ist bei der einen Schule im April und bei der anderen im August. Voraussetzung ist jedoch noch ein OP-Praktikum, was für mich jedoch eine kleine Herausforderung darstellte. Denn zum Zeitpunkt meiner intensiven Recherchen war es August und ich schwanger mit geplanter Entbindung im Januar.

In meinem Gespräch mit der OP-Leitung sagte sie mir ich könne auch als Quereinsteiger anfangen. Doch auch das war für mich keine Option. Ich bin eher der Typ: ganz oder garnicht. Also im OP als OTA arbeiten, oder eben nicht. Nach mehreren E-Mails mit den Berufsschulen und einigen Mitarbeitern im Klinikum hatte ich endlich meine Antwort: Die Ausbildung ist tatsächlich in Teilzeit möglich!

Mein Herz hüpfte, einfach alles passte für mich perfekt: der Weg ins Klinikum, der Ausbildungsablauf, kein Schichtdienst.

 

Im nächsten Teil berichte ich Euch wie ich meine Bewerbung geschrieben habe und auch wie das Bewerbungsgespräch abgelaufen ist.

 

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich auch meinem Weg begleitet!

Eure Lou

4 Gedanken zu „OTA Ausbildung als Mama“

  1. Hallo Lou,

    ich selbst bin 46 Jahre alt und neu im 3.Lehrjahr, habe 2 Kinder, 15 und 17 . Ich dachte immer, meine Kinder sind schon groß und aus dem gröbsten raus, aber es war für mich trotzdem eine große Herausforderung. Es ist auf jeden Fall gut, dass du deine Ausbildung in Teilzeit absolvieren wirst, denn es hätte wirklich nicht geklappt.
    Ich wollte schon so oft aufhören, weil ich körperlich und geistig am Ende meiner Kräfte war, aber es ging trotzdem irgendwie weiter. Du wirst es auch schaffen, glaub an dich, ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute

    Antworten
    • Hallo liebe Canan,

      Vielen Dank für deine ermutigenden Worte und für die Bestätigung es “richtig” gemacht zu haben.

      Danke, dass du deine Erfahrung hier mit mir teilst. Es klingt wirklich schwierig. Toll, dass du nicht aufgegeben hast.

      Ganz liebe Grüsse
      Lou

      Antworten
  2. Hey Mama OTA Lou, erstens herzlichen Glückwunsch!
    Zweitens, sag mal bitte, wie ist es eigentlich mit teilzeit Ausbildung Ding? Ich bin in Österreich und finde ach keine Info dafür. Ich habe eine 5 J. zu sein Mädchen.
    Alles Liebe,
    Laura

    Antworten
    • Hallo liebe Laura,

      herzlichen Dank für Deine Glückwünsche, ich bin mehr als Glücklich.

      Wie es in Österreich abläuft, weiss ich natürlich nicht. Hier war es auch nicht der Regelfall.
      Ich habe ganz einfach nachgefragt, das Klinkum hat es in der Form auch noch nie gemacht. Wollte mir als Mama aber dennoch die Chance geben.
      Da kann ich dir nur empfehlen auf der Internetseite des Klinkums, den Ausbildungsleiter raus zu suchen und eine Email mit deinem Anliegen zu verfassen.

      Liebe Grüße und viel Erfolg
      Lou

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