Strahlenschutz und Röntgenstrahlung im OP

heute möchte ich Euch einen Einblick in den Strahlenschutz geben. Denn das Thema ist für Euch persönlich sehr wichtig und in diesem Beruf wirklich von großer Bedeutung. Deshalb ist es auch Bestandteil der Ausbildung.

Physikalische Grundlagen

„Strahlung“ ist ein ambivalenter Begriff: Historisch unterscheidet zwischen Teilchenstrahlung (Korpuskelstrahlung) und Wellenstrahlung. Meist können bei Strahlung aber beide Eigenschaften festgestellt werden: Licht beispielsweise hat sowohl Wellen- als auch Korpuskel-Eigenschaften.

Der Begriff „Strahlung“ wird meist mit etwas Negativem, mit Gefahr assoziiert: Viele Menschen verbinden das mit Radioaktivität und Krebsgefahr. Tatsächlich aber sind wir permanent Strahlung ausgesetzt. Das gilt für das Sonnenlicht, für kosmische Strahlung, Funkwellen bei Radio/Fernsehen/Mobiltelefonie, Wärmestrahlung von Heizkörpern oder Öfen.

Selbst beim Fernsehen oder dem Arbeiten am PC bestrahlt uns der Bildschirm. Wir können dem also gar nicht entfliehen. Darüber hinaus werden in der Medizin Bestrahlungen auch therapeutisch eingesetzt, helfen als beim Heilungsprozess. Erst bei radioaktiver Strahlung hingegen wird es gefährlich. Und selbst dort gilt der alte Paracelsus-Satz „Erst die Dosis macht das Gift.“

Doch erst einmal zurück zu den Basics: Für die Entstehung von Strahlung sind letzten Endes die Atome (griechisch: atmos = unteilbar) ursächlich. Diese bestehen aus Protonen (positiv geladene Teilchen) sowie Neutronen (neutrale/keine Ladung) im Atomkern – und Elektronen (negativ geladene Teilchen) in der Atomhülle. Aus diesen Komponenten ergibt sich auch die Masse eines Atoms.

Wer sich noch ganz schwach an seine Schulzeit erinnern kann, dem wird die Ordnungszahl (Z) im Periodensystem vielleicht noch etwas sagen. Diese gibt nämlich Auskunft über die Anzahl an Protonen im Atomkern und Elektronen in der Atomhülle. Die Atommassenzahl (A) ist die Summe der Protonen und Neutronen eines Atomkerns. Die Anzahl der Neutronen kann man ganz einfach berechnen. Denn im Periodensystem sind sowohl die Atommassenzahl und auch die Ordnungszahl angegeben. Und die Differenz von Ordnungs- und Massenzahl ergibt die Anzahl der Neutronen.

 

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Periodensystem Quelle: Banner vector created by freepik – www.freepik.com

Die Elektronen befinden sich also in der Atomhülle. Diese besitzt unterschiedlich viele Energieniveaus, „Schalen“ genannt. Jede dieser Schalen kann jedoch nur eine bestimmte Anzahl an Elektronen aufnehmen. Die jeweilige Anzahl auf der n-ten Schale kann man zu 2·n² berechnen: Für die zweite Schale (n = 2) würde dies also 2·2² = 8 Elektronen ergeben.

 

Nun kommen wir zur Strahlung selbst:

Es gibt wie oben erwähnt viele verschiedene Ausprägungen von Strahlung, die sich durch die unterschiedlichen Frequenzen und damit die jeweiligen Wellenbereiche unterscheiden. Dazu zählen beispielsweise Gammastrahlung, Photonen- bzw. Röntgenstrahlung, Ultraviolettes Licht (UV-Strahlung), Infrarot-Strahlung (Wärme), Mikrowellen sowie die Radio- und Fernsehwellen. In dieser Aufzählung haben die Gammastrahlen mit 0,005 nm (das sind 0,000000005 mm) die kürzeste, die Radio- und Fernsehwellen mit maximal ca. 5 m die größte Wellenlänge. Wichtig: Je größer die Wellenlänge ist, desto energieärmer ist die Strahlung. Anders gesagt: Je höher die Frequenz, umso energiereicher ist die entsprechende Strahlung.

Ganz besonders wichtig ist ferner die Unterscheidung zwischen nichtionisierender und ionisierender Strahlung: Der Grenze liegt etwa bei Wellenlängen um die 200 nm bzw. Frequenzen > 1,5 Milliarden MHz (1,5·1015 Hz). Was ist nun so besonders an ionisierender Strahlung?

Nun, Strahlung dieser hohen Frequenz ist so energiereich, dass sie sogar Elektronen aus ihren Atomen oder Molekülen herauslöst. Es bleiben dann positiv geladene Ionen oder Molekülreste übrig. Als Quelle ionisierender Strahlung kommen radioaktive Stoffe in Frage, beispielsweise bei „natürlicher“ Alpha- oder Gammastrahlung. Sie kann aber auch künstlich erzeugt werden. Radioaktive Strahlung ist per se ionisierende Strahlung. In der Medizin ist Röntgen das klassische Einsatzgebiet künstlicher ionisierender Strahlung. Dazu komme ich im übernächsten Kapitel. Vorher will ich noch detailliert auf die Ionisation eingehen.

 

Ionisation

Der Begriff Ionisation ist auch eine beliebte Prüfungsfrage –zumindest war das bei mir der Fall. Unter Ionisation versteht man das Herausschlagen/Abgeben eines Elektrons (das ja negative Ladung hat) aus der Atomhülle. Das betreffende Atom oder Molekül bleibt also als positiv geladenes Teilchen (Kation) zurück und es fliegt ein freies Elektron durch die Welt: Das Ladungsgleichgewicht zwischen Atomkern und -hülle ist somit gestört.

Es wird unterschieden zwischen direkter Ionisation (“Stoß-Ionisation”), wobei ein geladenes Teilchen auf ein Atom trifft und dabei einen Teil seiner Energie abgibt, und der indirekten Ionisation (“Absorption”). Bei der indirekten Ionisation werden elektromagnetische Wellen (elektromagnetische Strahlung) oder Neutronen zunächst von einem Atom absorbiert, also quasi aufgenommen. Bei diesem Vorgang löst sich ein Elektron, welches ein anderes Atom durch einen Stoß ionisiert. Dies trifft beispielsweise auf die Röntgenstrahlung zu.

 

Abstract bright neon atomic background Free Vector
Quelle: https://www.freepik.com/free-vector/abstract-bright-neon-atomic-background_1276610.htm

 

Erzeugung von Röntgenstrahlung

Röntgenstrahlung entsteht durch starke Beschleunigung geladener Teilchen. Werden diese Teilchen stark abgebremst, etwa beim Aufprall auf ein Hindernis, oder von ihrer Bahn abgelenkt, senden sie die sogenannte Bremsstrahlung aus – sowie die charakteristische Röntgenstrahlung.

Diese künstlich eingeleiteten Prozesse laufen in einer Röntgenröhre ab. Diese Röhre besteht aus einer negativ geladenen Elektronenquelle (Kathode), dem positiv geladenen Bremskörper (Anode). Zwischen beiden Elektroden besteht eine sehr hohe elektrische Spannung von bis zu 150000 Volt (unsere Netzspannung beträgt im Vergleich nur 230 V).

Beide sind in einem Glaszylinder mit Hochvakuum aufgebaut. Schlagen die beschleunigten Elektronen dann hart ins Anodenmaterial auf, so kommt es zu den erwähnten beiden Strahlungseffekten. Darüber hinaus entsteht Wärmestrahlung. Durch diese Wechselwirkungen kommt es zu folgenden Vorgängen: Photoeffekt/Absorption, klassische Streuung, Compton-Streuung bzw. -Effekt, Paarbildungseffekt und Kernreaktionen.

 

Eigenschaften von Röntgenstrahlen

  1. Röntgenstrahlen haben die Eigenschaft, Stoffe zu durchdringen. Dabei geben sie einen Teil der Energie an das jeweilige Material ab, werden also absorbiert oder abschwächt. Diesen Effekt nennt man Schwächungseffekt. Die Intensität der Schwächung hängt von folgenden Faktoren ab: Dichte, Dicke, Ordnungszahl des Materials sowie der Strahlungsenergie.
  2. Da wir vorhin schon mal ausgiebig die Ionisation durchgegangen sind, spielt dies natürlich auch bei der Röntgenstrahlung eine Rolle. Auch sie kann eine Ionisation erzeugen (Ionisationseffekt).

     

  3. Eine Eigenschaft, an die man scheinbar den ein oder anderen Kollegen erinnern muss ist der biologische Effekt: Röntgenstrahlen sind in der Lage Gewebereaktionen herbeizuführen. Marie Curie sollte auch einigen ein Begriff sein, schließlich hat sie nicht nur maßgeblich an der Weiterentwicklung des Röntgens beigetragen, sie hat sich aus Unwissenheit über die biologischen Wirkungen auch selbst verstrahlt. Das gilt übrigens für viele der frühen Radioaktivitäts-Forscher. Und genau deshalb ist der Strahlenschutz, auf den ich im weiteren Verlauf eingehen werde, so wichtig.
  4. Wir alle wissen, wie Röntgenbilder aussehen: schwarz – grau – weiß. Das liegt am photographischen Effekt. Denn photographische Filme lassen sich mittels Röntgenstrahlen schwarz färben. Es gibt noch zwei weitere Effekte bzw. Eigenschaften, nämlich den Halbleitereffekt und den Lumineszenzeffekt. Diese entstehen aufgrund der Veränderung der Leitfähigkeit sowie der Ladung von Halbleitern, als auch durch die Anregung bestimmter Stoffe zur Produktion von Streulicht (Lichtemission).

So viel ganz grob zu den physikalischen Grundlagen. Kommen wir nun endlich zum Strahlenschutz.

 

Mobiles CT - O-Arm von Medtronic. OTA-franzi.de
Dies ist ein Röntgengerät und zugleich auch mobiles CT. Durch die Nutzung des O-Arms in Kombination mit der Navigation müssen die Mitarbeiter unter anderem nicht durchgehend eine Röntgenschürze tragen. Er ermöglicht ein intraoperatives CT für eine bessere Orientierung und Feststellung ob die Implantate richtig eingebracht wurden. OTA-franzi.de

Der Strahlenschutz

Warum brauchen wir überhaupt Strahlenschutz? Wie oben erwähnt, kann die Energie ionisierender Strahlung Atome und Moleküle aufbrechen. Dadurch werden die chemischen Strukturen von biologischem Gewebe beeinflusst: Werden die genetischen Zell-Informationen (DNA) verändert, so kann dies zu genetischen Anomalien und letzten Endes zu Krebs führen.

Glücklicherweise hängen diese Auswirkungen stark von der Höhe der Strahlendosis ab. Der Körper kann kleinere Veränderungen durch geringe Dosen problemlos selbst reparieren; das macht er auch ohne Strahlenbelastung jeden Tag tausende Mal. Und bei richtigem Schutz vor Strahlung kann auch bei größeren Belastungen praktisch gar nichts passieren.

Es gibt mehrere Varianten, um sich bei der Verwendung von Röntgenstrahlung vor ebendieser zu schützen. Darunter zählen auch die sogenannten “drei A des Strahlenschutzes”: Abstand, Abschirmung und Aufenthaltsdauer – ein viertes A wäre noch die Ausbildung.

Diese Begriffe sagen eigentlich schon alles aus. Wenn man genügend Abstand zum Röntgenstrahlenquelle hat, dann bekommt man auch weniger Strahlung ab. Gleiches gilt für die Abschirmung, die für uns im OP beispielsweise in Form von Bleischürzen stattfindet. Doch auch eine räumliche Trennung ist eine Form von Abschirmung. Das Thema Aufenthaltsdauer sollte sich jedem schon per Logik erschließen: Wenn ich mich nur kurz im Raum aufhalte, in dem mit Röntgenstrahlung gearbeitet wird, bekomme ich auch weniger ab als die Person, die permanent anwesend ist.

Den Begriff Ausbildung haben wir in meiner Ausbildung zur OTA damals noch ergänzt. Denn wer im Umgang mit Strahlung ausgebildet oder geschult ist, der (sollte eigentlich) die Gefahren kennen und wissen, wie er sich und andere zu schützen hat.

 

Abstandsquadratgesetz

Dieses Gesetz besagt, dass die Strahlungsbelastung quadratisch mit dem Abstand zurückgeht: Doppelter Abstand bedeutet also nur noch 1/4 der ursprünglichen Strahlungsbelastung, vierfacher Abstand 1/16.  Also je größer der Abstand, desto (deutlich) geringer ist die Strahlungsbelastung.

 

Streustrahlung

Beim Röntgen werden die Strahlen auf den zu durchleuchtenden Teil des Körpers gerichtet, ganz so, als ob man mit einer Taschenlampe die Stelle anleuchtet. Allerdings werden die Strahlen im durchleuchteten Objekt auch in andere Richtungen abgelenkt: Es entsteht Streustrahlung. Strahlenschutz besteht deshalb auch darin, die begünstigenden Faktoren für die Entstehung von Streustrahlung zu reduzieren. Außerdem kann durch Streustrahlung der Kontrast der Bilder verschlechtert werden. Letzten Endes führt Streustrahlung zu steigender Strahlenbelastung bei Patient und Personal.

Reduzieren kann man die Streustrahlung, indem man folgende Regeln befolgt:

  1. Enge/starke Einblendung – man führt die Strahlung bspw. durch einen Tubus, der zulässt, dass nur der gewünschte Bereich des Körpers (braucht man ein Bild des Fingers, muss man nicht die ganze Hand röntgen) bestrahlt wird. Im Bild sieht man dann eine begrenzende geometrische Form, z.B. ein Achteck, rund um den durchleuchteten Bereich. Alles außerhalb dieser Figur ist dann schwarz oder kaum sichtbar.
  2. Kompression – dies macht man sich beispielsweise bei einer Mammographie von Nutzen. Hier wird die Brust nämlich “gequetscht”, also komprimiert, um auch bessere Ergebnisse sowie weniger Streustrahlung zu erzeugen. Das Volumen wird sowohl bei der Einblendung, als auch bei der Kompression verringert und somit auch die Entstehung der Streustrahlung reduziert.
  3. Kurze und gepulste Durchleuchtungszeiten. Das sind für uns die Kommandos “Bild”, “Foto”, “zeig mal” – ach, es gibt so viele Varianten, wie der Chirurg einem mitteilt, dass man kurz aufs “Knöpfchen” drücken soll. Also nicht stundenlang mit Strahlung den Patienten durchleuchten, sondern immer wieder nur einmal ganz kurz. Im Idealfall benötigt man nur wenige Sekunden oder wenige Aufnahmen, um das richtige Bild zu machen.

    Nur in Abteilungen wie der Angiographie oder dem Herzkatheterlabor ist dies nicht ganz so einfach. Dort müssen die intervenierenden Ärzte nämlich ganz genau sehen, wie der jeweilige Katheter sich in dem Gefäß vorschieben lässt und ob er nicht vielleicht doch noch eine ungeahnte Abzweigung nimmt. Daher hat man hier auch vergleichsweise hohe Durchleuchtungs-, beziehungsweise Röntgenzeiten.

  4. Nähe! Je näher der Bildverstärker am Patienten ist, desto geringer ist auch die Streustrahlung. Daher sollte man beispielsweise auch immer prüfen, ob man das Gerät vielleicht noch näher an dem Patienten platzieren kann. Wenn man beispielsweise Anterior-Posterior (AP) also von “vorne/oben” nach “hinten/unten” röntgen möchte, dann sollte man das Gerät so weit wie möglich nach unten fahren – aber natürlich auch noch Handlungsspielraum für die Chirurgen lassen.
  5. Praktisch alle Röntgengeräte haben mittlerweile die Funktion “Last Image Hold (LIH)”. Sie dient, wie man sich sicherlich schon denken kann, dem Festhalten der zuletzt durchgeführten Aufnahme. Sie wird also, ohne dass man weiter durchleuchtet, auf dem Monitor angezeigt, bis man das nächste Bild aufnimmt. So können die Chirurgen auch immer wieder mal prüfen und sich orientieren, wenn sie beispielsweise eine Fraktur operieren, ohne dass alle im Saal einer weiteren Strahlenbelastung ausgesetzt werden.

Dosimeter

Neben dem Verringern von Streustrahlung und der Beachtung der oben genannten “drei bzw. vier A” dienen auch sogenannte Dosimeter dem Strahlenschutz. Wenn­gleich sie selbst nicht im eigentlichen Sinne vor Strahlung schützen, sind sie immer zu tragen: egal, ob Ihr in einem Saal seid, wo mit einem Röntgengerät gearbeitet wird oder nicht. Dann wisst Ihr, wieviel Strahlung Ihr ausgesetzt wart.

Warum das Ganze? Man kommt immer in die Situation, dass man weitere Materialien heranholen muss und könnte so an einem Saal vorbeilaufen, wo gerade geröntgt wird und irgendjemand vergessen hat, die Tür zu schließen. Ihr hättet sicherlich genug Abstand, aber bekommt trotzdem einen kleinen Anteil an Strahlung ab.

Das Dosimeter ist eine kleine Plakette, fast wie ein Miniaturausweis, der unter anderem einen Filter besitzt. Dieser muss alle 3 Monate, also viermal im Jahr, ausgetauscht und überprüft werden. Denn für uns gibt es einen Grenzwert bezüglich der Strahlendosis (in Millisievert gemessen), den jedoch kaum jemand erreichen wird – bei richtiger Durchführung aller Strahlenschutzmaßnahmen.

Übrigens bekommen wir alle, also egal ob wir zu Hause sind oder auf der Arbeit im Röntgensaal, immer einen gewissen Wert an Strahlung ab. Mit zunehmender Höhe über dem Erdboden nimmt die natürliche Strahlenbelastung aus dem Weltraum zu: Deshalb müssen beispielsweise auch Piloten und Flugbegleiter in Verkehrsflugzeugen ein Dosimeter tragen: Ein Flug von Frankfurt – San Francisco und zurück führt zu einer durchschnittlichen Belastung von ca. 200 Mikrosievert. Das entspricht etwa 3 – 4 Röntgenaufnahmen als Patient.

Durch den Schutz des Erdmagnetfelds ist diese Strahlung am Erdboden jedoch so gering, dass man dort keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen muss. Empfehlung: Auch als Patient würde ich mir immer notieren, wann ich wo geröntgt wurde. Damit will ich das Thema Strahlenschutz abschließen: Ich könnte sicher noch mehr erklären, doch ich glaube, dass das diesen Beitrag einfach sprengen würde.

 

Röntgenschutz- bzw. Strahlenschutz Kleidung

Kommen wir zu den Maßnahmen im Strahlenschutz, die jedem direkt ins Auge fallen: Die guten, „leichten“ Bleischürzen bzw. Röntgenschürzen. Blei absorbiert die Strahlung und schützt damit. Hier gibt es unterschiedliche Modelle in unzähligen Farben, Mustern und Stoffen.

Doch eine Röntgenschürze schützt nur so gut, wie man sie auch pflegt und natürlich auch richtig trägt. Leider vergessen sehr viele Kollegen gerne mal, dass diese Art von Strahlenschutz aus Bleilamellen besteht, die sehr schnell kaputt gehen können. Durch das beliebte Zusammenfalten und Knicken über harte Kanten usw. können diese Lamellen brechen und dadurch keinen adäquaten Strahlenschutz mehr gewährleisten.

Bei Röntgenschürzen, wo dies der Fall ist, sieht man deutlich, wie sich im Rock unten alles sammelt. Es bilden sich also kleine “Knubbel” am Rockende. Auch offensichtliche Löcher sind Anzeichen dafür, dass diese Röntgenschürze nicht mehr ausreichend schützt.

Dies ist unter anderem der Grund dafür, weshalb ich seit drei Monaten meine eigene Röntgenschürze besitze. Auch, weil es an meinem Arbeitsplatz leider viel zu wenige kleine Röntgenschürzen gab und ich es auch sehr unangenehm fand, wenn beispielsweise der Schilddrüsenschutz nach meinem Vorgänger riecht, habe ich mir meine eigene Schürze zugelegt. Die Kosten dafür könnt Ihr übrigens bei Arbeitskleidung von der Steuer absetzen.

Den besten Strahlenschutz bieten Röntgenschürzen, die rundum anliegen: also entweder ein kompletter Mantel oder aber die Kombination aus einem Rock und der dazugehörigen Weste. Man sollte auch immer einen Schilddrüsenschutz tragen, was manch einem leider nicht ganz so wichtig erscheint.

Röntgenstrahlen haben nun mal die Eigenschaft, lebendes Gewebe zu verändern. Das trifft also auf nahezu alles an unserem Körper zu. Daher sollte man auch unbedingt immer einen solchen Schilddrüsenschutz tragen, sonst kann sich diese möglicherweise verändern und für starke Beschwerden sorgen. Nicht nur unsere Keimzellen sind das A und O im Röntgenschutz. Alles muss geschützt werden.

Daher sollten die Chirurgen beispielsweise auch darauf achten, dass sie ihre Hände nicht in den Strahlengang halten. Es gibt sogar spezielle Strahlenschutz-Handschuhe, Brillen, Hauben oder sogar Beinschoner. Diese Röntgenschutzkleidung findet man aber eher in den stark strahlenbelasteten Abteilungen wie der Angiographie oder im Herzkatheterlabor.

 

Röntgenschürze von x3franzii. OTA-Franzi.de
Dies ist meine eigene private, an mir ausgemessene, Röntgenschürze der Marke/Firma MD-Solutions. Sie besteht aus einer speziellen Weste, die extra auf die Brust der Frau abgestimmt ist, einem Rock mit zusätzlichem Gürtel innen für einen höheren Komfort und besseren Halt, sowie einem magnetischen Schilddrüsenschutz (Klett reißt immer die Haare aus).
Dieses besondere Modell darf ich exklusiv testen und im Arbeitsalltag beschert mir diese Schürzenkombination wirklich einiges an Rückenschmerzen weniger!
OTA-Franzi.de

Wie trage ich meine Röntgenschürze richtig?

Im Idealfall habt Ihr eine eigene Röntgenschürze. Also eine die passgenau an Euch ausgemessen ist. Diese sitzt dann wie ein Maßanzug, wie eine zweite Haut. Sie ist deshalb aufgrund des Gewichtes nicht so schädlich für den Rücken und bietet den Strahlen keine größeren Eintrittspunkte aufgrund falscher Maße. Denn bei vielen Standardschürzen ist beispielsweise der Ausschnitt für die Arme viel zu groß, wodurch dort die Strahlen eher eintreten können als bei einer maßgeschneiderten.

Bei der Wahl der Röntgenschürze sollte man auch darauf achten, ob sie von der Länge her stimmt. Bei vielen Kollegen sehe ich leider, dass die Schürze nicht über die Knie geht. Setzt man sich hin – was man möglichst vermeiden sollte, um die Bleilamellen nicht zu beschädigen und weil die Strahlung dann auch abgeleitet werden kann – dann rutscht die Schürze automatisch hoch. Ist sie von Anfang an schon zu kurz, so wird sie jetzt erst recht nicht mehr richtig schützen, weil “der Weg frei ist”.

Bei den zweigeteilten Schürzen aus Rock und Weste stelle ich oft fest, dass die Überlappung zu gering ist. Muss man sich mal strecken, weil man beispielsweise die OP-Lampe nachjustieren möchte, dann kommt es bei einer unzureichenden Überlappung zu einem “bauchfreiem” Moment. Wird in diesem Moment eine Röntgenaufnahme gemacht, dann bekommt diese freie Stelle die ganze Strahlung ab.

Ein ähnliches Problem habt Ihr, wenn Ihr nur diese Frontalschürzen verwendet. Klar die sind sehr leicht und ich habe sie bisher auch immer priorisiert. Allerdings muss man sich dann ständig daran erinnern, dass man zu keiner Zeit mit dem Rücken zum Röntgengerät stehen darf – erst recht nicht, wenn nicht ich selbst die Aufnahmen auslöse, sondern die Chirurgen beispielsweise mit einem Fußschalter arbeiten.

Ihr müsst dann also entweder wie ein Krebs stets seitlich laufen, damit Ihr immer mit der geschützten Seite zum Strahlengang steht. Oder Ihr wählt einfach eine komplette Schürze. Im Übrigen kann die Streustrahlung von “hinten” trotzdem treffen, selbst wenn Ihr richtig steht.

Kommen wir noch mal zurück auf den Schilddrüsenschutz. Dieser sollte im besten Fall eine halbrunde Form haben, damit er eine größere Schutzfläche bieten kann. Viele empfinden einen solchen Schutz als unangenehm, da er recht beengend wirken kann. Zudem steigt auch gerne mal die Wärme durch den Schilddrüsenschutz auf, was recht unangenehm ist. Zurück zur richtigen Anwendung: Damit dieser Strahlenschutz nicht verrutscht ist es von Vorteil, wenn man ihn vor der eigentlichen Röntgenschürze anzieht. So wird er nämlich von eben dieser fixiert und klappt sich nicht hoch, verrutscht ständig oder droht gar abzufallen aufgrund der ungewollten Manipulation durch die Kopfbewegungen.

Wie Ihr jetzt vielleicht schon gemerkt habt, kann man bei der Verwendung der Röntgenschürzen und auch im Strahlenschutz generell wirklich sehr viele Fehler machen. Das muss nicht sein.

 

Kurze Erinnerung

Daher an dieser Stelle noch mal der Appell: Pflegt die Röntgenschürzen, tragt sie „richtig“, verwendet einen Schilddrüsenschutz und tragt immer Euren Dosimeter am Mann oder an der Frau. Und denkt auch dran, dass Ihr stets die Röntgendaten des Patienten dokumentiert.

Am wichtigsten sind hierbei die Strahlungsdauer und das Dosisflächenprodukt (cGycm², Gym², µGym² und viele weitere Varianten für die Einheit). Die Werte für Kilovolt (kV) und Milliampere-Sekunden (mAs) variieren je nach Aufnahme und gelten daher nicht für alle Bilder einheitlich, lassen sich also nicht als Summe zusammenrechnen. Trotzdem würde ich immer die letzten Werte dokumentieren.

Und vergesst nicht, sofern möglich, immer auch die Patienten mit entsprechenden Röntgenschutzmatten zu schützen. Schließlich haben diese auch ein Anrecht auf einen adäquaten Strahlenschutz. Immer ist das natürlich nicht vollumfänglich möglich – beispielsweise dann, wenn man im Bereich der Hüfte operiert. Die Schürze wäre dann im OP-Gebiet – und die Chirurgen könnten nichts sehen.

Ich hoffe wirklich, Ihr habt bis hier hin noch mitgelesen und seid nicht direkt am Anfang eingeschlafen oder habt den Beitrag aufgrund der ganzen physikalischen Grundlagen direkt weggeklickt. Es ist eine, wie ich finde, sehr vereinfachte Zusammenfassung und könnte Euch in der Ausbildung zur OTA helfen, um einen besseren Einblick in dieses Unterrichtsthema zu bekommen.

Diesmal hat mir übrigens mein Papa geholfen, der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik/Nachrichtentechnik ist.

 

Habt einen schönen Abend,

Eure franzi 🙂

 

Quellen:
Unterlagen aus meiner Ausbildung, sowie dem Strahlenschutzkurs
*Unbezahlte Verlinkungen zu Wikipedia für genauere Erklärungen
* Kooperation mit MD-Solutions bezüglich meiner persönlichen Röntgenschürze

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